Vom Löwen gebissen: Mit Rovos Rail von Namibia nach Südafrika

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    • Vom Löwen gebissen: Mit Rovos Rail von Namibia nach Südafrika

      Vorwort nur für das Forum hier: Ich war seit einiger Zeit nicht mehr aktiv. Meine Reisen verliefen an der USA vorbei, und ich wollte mit reinen off-topic Berichten auch nicht nerven. Am Ende gibt mir noch jemand Geld wenn ich aufhöre...

      Heute wurde ich auf ein Fehlen von Bildern von mir hier bei einem alten Bericht benachrichtigt, mein Fehler. Ich hatte zu viel geputzt... Als Sorry und Dank dafür nun dieser Bericht. Da im Moment jeweils ein Bericht von Namibia und Südafrika aktiv sind, mache ich eine Trilogie daraus. Ich hoffe, dass ich im November wieder on-topic berichten kann.

      Vom Löwen gebissen: Mit Rovos Rail von Namibia nach Südafrika

      Survival-Training im Süden von Afrika

      Der Löwe ist ein schönes Tier, wenn man ihn in der Ferne sieht: Von Frankfurt via Johannesburg nach Irene Country


      'Ich bin von einem Löwen gebissen worden'. Wer kann das schon von sich sagen. Die meisten können ihre Erfahrung danach nicht mehr weitergeben. Der Stärkere siegt. Aber der Reihe nach. Die Überschriften sind afrikanische Redewendungen, die ich passend zu den jeweiligen Destinationen fand.

      Ich kann und will aus privaten Gründen in 2019 zweimal auf Reisen mir etwas mehr gönnen, als sonst mein Budget hergibt, die zweite 'große' Reise kommt im August. Frei nach dem Motto von George Best 'Ich habe viel Geld für Reisen ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst'. Meine Mutter war mit Rovos Train von Südafrika nach Tansania unterwegs. Sie schwärmte von dieser Zugfahrt mit: Die schönste Reise ihres Lebens .Ich hatte noch nie in einem Zug übernachtet, und war über den Unterschied zu einer Kreuzfahrt neugierig. Afrika und Safaris waren sowieso wieder mal dran, und gespannt wie es wird buchte ich die Route von Namibia nach Südafrika.

      Von der Fernseh-Serie 'Verrückt nach Zug', die auf der gleichen Strecke fährt, hatte ich ein paar Folgen gesehen. Der 'African Explorer' vom TV unterscheidet sich, manchmal gering, manchmal groß, mit der 'Pride of Africa' von Rovos in der Ausstattung, der Route, den Kabinen, den Lodges zwischendurch, der Verpflegung und dem Dresscode.

      Hier die geplante Strecke. An zwei Destinationen wurde der Zug über Nacht verlassen, und in Nationalparks / Lodges übernachtet:


      Mit dem Zug von Walvis Bay / Namibia nach Pretoria / Südafrika (Copyright und Quelle: Rovos Rail)

      Dazu buchte ich einen Flug mit Lufthansa nach Johannesburg und zurück, zwei Übernachtungen in Südafrika, ein Flug mit SA Express nach Walvis Bay in Namibia, und zwei Nächte in Swakopmund. Mir war nicht bekannt, dass der Flughafen von Walvis Bay seit Anfang 2008 zum zweiten internationalen Airport des Landes ausgebaut wurde. Der offiziell seit 25. Juli 2016 abgeschlossener Ausbau lässt nun auch Interkontinentalflüge zu. Mein erster Flug dorthin vor langer Zeit war noch mit einer kleinen Propeller-Maschine...

      Ich hatte die Reise direkt bei Rovos Rail gebucht, und einige Fragen an die nette Mitarbeiterin Querida von dem Reservierungs-Team. Eine Reaktion auf mein 'Many questions I'm sorry' war 'You are welcome to ask as many questions as you wish. That is why I am here ;-)'. Diese Service-Einstellung führte zu dem ersten und nicht letzten Pluspunkt für Rovos.

      In der Innenstadt von Johannesburg zu übernachten hatte ich kein Bedürfnis und buchte ein Hotel in Irene, ein kleiner Ort, der südlich der Hauptstadt Pretoria liegt. Ich hoffte auf ein ländliches Ambiente, viel Natur, eine schöne Hotelanlage und keine kriminellen Jugendgangs.

      Die letzten sechzig Tage vor Abflug zogen sich wie Kaugummi, ich freute mich sehr auf neue Eindrücke und Erfahrungen. Nicht wegen der Länder, ich war schon in Südafrika und Namibia, auch in den meisten angefahrenen Zielen, sondern ob mir eine 'Kreuzfahrt in Zügen' gefällt.

      Endlich konnte ich den 'letzten Aufruf für ein Bier' folgen. Keine schwere Aufgabe für einen Vielflieger: War ich ab München oder Frankfurt geflogen?


      Zinnis bayrischer Abschied von Deutschland

      Auf dem angenehmen Lufthansa-Flug mit einer sehr aufmerksamen und netten Crew sah ich nach zehn Stunden Flugzeit die ersten Blicke auf Südafrika. Vielen Dank auf diesen Wege an die Besatzung, ihr wart Spitze!:


      Anflug auf Johannesburg

      Nach der Landung erreichte mich eine Nachricht meines Mobile-Anbieters: 'Willkommen in Jersey'. Es wurden wohl die südlichen und nördlichen Koordinaten verwechselt...

      Am Airport in Johannesburg warteten keine Löwen oder Elefantenherden auf mich, sondern eine ungefährliche, aber nervende Schlange: 'Warten in Südafrika' kann zwischen einer Minute und zwei Tagen dauern, je nachdem was anliegt, und bei meiner Passkontrolle lag es irgendwo dazwischen. Ich hatte mit als erster das Flugzeug verlassen, und war vermutlich als letzter am Gepäckband. Der alte Spruch 'Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit' hatte sich bewiesen. Neu ankommende Passagierströme wurden an freie Schalter geleitet, und in meiner Wartereihe lief nichts. Das war Werbung für eine neue Reise zu planen für jedes Land, außer Südafrika.

      Die afrikanische Geduldsprobe war noch nicht beendet, denn trotz der langen Wartezeit musste ich noch ewig auf mein Gepäck warten. Ich hatte wenig Hoffnung, dass mein bestellter Shuttle-Dienst noch mit mir rechnete, aber er scheint die Verhältnisse zu kennen und schimpfte nicht einmal mit mir wegen der langen Wartezeit.

      Wie in Deutschland war auch hier am 1. Mai Feiertag. Es war wenig Verkehr, und wir erreichten zügig den Ort Irene, meine erste Destination meiner Reise für zwei Nächte. Von der 'African Pride Irene Country Lodge' war ich vom ersten Moment angetan, als ich sie bei der Suche nach einer passenden Unterkunft gefunden hatte. Sie hatte sich nach der Ankunft so schön erwiesen wie ich sie erhofft hatte:


      Die 'African Pride Irene Country Lodge'


      Die 'African Pride Irene Country Lodge'

      Auch bei dem ersten Blick in das Zimmer wurde meine Vorfreude bestätigt, alles Top:


      Mein Zimmer in der 'African Pride Irene Country Lodge'

      Auch der Hinweis, dass die wilden Affen in der Anlage nicht gefüttert werden sollen hatte mir gefallen. Trotz mehreren Versuchen hatte ich beim Suchen nach denen nicht einen gesehen, schade.

      Ich fand die erhoffte Ruhe und Stille, und hatte einen entspannten Start der Reise bei Spaziergängen durch die Anlage:


      Spazieren gehen in der 'African Pride Irene Country Lodge'


      Spazieren gehen in der 'African Pride Irene Country Lodge'

      konnte dabei etliche Vögel beobachten:


      Spazieren gehen in der 'African Pride Irene Country Lodge'

      und hatte am ersten Abend bereits einen fantastischen Sonnenuntergang:


      Sonnenuntergang in Irene Country


      Video von einem Sonnenuntergang in Irene Country, elf Sekunden Laufzeit

      Auch das Restaurant konnte glänzen, nur warum bei den Büffets Lachs und Co frei zugänglich waren, Salami und Wurst aber als Staatsschatz galten und nur auf Anforderung gereicht wurden hatte sich mir nicht erschlossen. Bei einem Gespräch mit dem Restaurant-Leiter erzählte er mir, dass er lange Manager in der Lodge im Etosha Park war, wo wir Tage später übernachten werden. Er rief seinen Nachfolger an, und dieser versprach mir einen VIP Service. Groß erwartet hatte ich nichts.

      Am nächsten Morgen schaute ich mir den Bauernhof der Anlage an. Es gibt aufregendere Plätze auf der Welt, und deswegen muss man nicht so weit fliegen, aber nett war das trotzdem:


      Urlaub auf dem Bauernhof in der 'African Pride Irene Country Lodge'


      Urlaub auf dem Bauernhof in der 'African Pride Irene Country Lodge'


      Urlaub auf dem Bauernhof in der 'African Pride Irene Country Lodge'

      Für den nächsten Tag buchte ich einen Ausflug zum 'Lion & Safari Park', wo mir bewusst war, dass dies ein großer Zoo ist, und keine unberührte Natur mit wilden Tieren. Ich mietete mir ein Auto mit Fahrer, selbst zu fahren hatte ich keine Lust. Wir führten viele informative Gespräche über das Land und die Leute, es hatte Spaß gemacht ihm zu zuhören.

      Der Lion & Safari Park in der Provinz Gauteng ist es ein Naturschutzgebiet mit zahlreichen Tierarten und Safaritouren. Aber alles andere als Disneyland: In 2015 attackierte ein Löwe eine Frau durch ein offenstehendes Autofenster die wenig später an den Folgen der Bisswunden starb. Es waren Selbstfahrer, nicht umsonst werden bei geführten Touren Gitterwageneingesetzt, die einen hohen Schutz gegen Angriffe von Löwen bieten:


      Ein Gitterwagen im Lion & Safari Park

      Das erste Gehege war bereits das mit den brauen und weißen Löwen. Lange suchen musste unser Guide nicht danach:


      Löwen im Lion & Safari Park


      Löwen im Lion & Safari Park

      Das dies nicht wilde Natur ist war leicht zu sehen:


      Löwen im Lion & Safari Park

      Etwas aufwendiger war es diesen Geparden zu finden. Die Wasserflasche konnte selbst unser Guide sich nicht erklären:


      Ein Gepard im Lion & Safari Park

      Wilde Hunde:


      Wilde Hunde im Lion & Safari Park

      ein Warzenschwein:


      Ein Warzenschwein im Lion & Safari Park

      und eine Giraffe mit einer Herde Gnus rundeten das Besuchsprogramm ab:


      Giraffe und Gnus im Lion & Safari Park

      Am Ende des Besuches wartete eine geduldige Giraffe auf Streicheln und Futter:


      Eine Giraffe im Lion & Safari Park

      Aber nicht nur die. Im Ausflugsprogramm inbegriffen war ein Streicheln von jungen Löwen. Nach einer kurzen Einweisung waren die Kids auf uns zugelaufen, und wir konnten mit ihnen spielen und sie streicheln. Das war wirklich nett:


      Da waren sie noch lieb


      Da waren sie noch lieb


      Da waren sie noch lieb

      Und dann kam der historische Moment. Ich war unaufmerksam, und einer der Kleinen hatte seinen Killerinstinkt erweckt. Er hatte starkes Interesse an meinen Jeans gefunden, halbverhungert sah er nicht aus. Er biss kräftig hinein. Für seine Verhältnisse, das ist nicht übertrieben. Nachdem ein lautes 'Ehh' von mir nichts nützte, wehrte ich mich entgegen der Anweisung, den Kopf und den Schwanz nicht zu berühren, mit einem Klapps auf die Ohren. Dadurch hatte ich den harten Kampf gewonnen. Ich darf mich nun 'Löwenbändiger' nennen, ohne dass ich die Faustformel 'Bei einem Löwenbiss einfach kräftig zurück zu beißen' angewandt hatte:


      Der Löwenbiss

      Nach diesen dramatischen Bildern erwarte ich einen Spendenmarathon zu meinen Gunsten. Quatsch, ich bin ja selbst daran schuld, wenn ich sowas mitmache. Normal bin ich skeptisch bei so etwas. Mit Delfinen schwimmen gehen wollte ich in Kuba nicht, und in Thailand hatte ich Streicheln von Tigern abgelehnt, weil ich dabei an Drogen dachte, die den Tieren gegeben werden. Hier lies ich mich durch den Guide überzeugen. Ich denke den Löwen geht es relativ gut dort, die Anlage wirkte gepflegt, und die Tiere erschienen mir so artgerecht behandelt wie das in diesem Rahmen möglich ist. Manche sind in freier Wildbahn nicht überlebensfähig.


      Die Folgen von einem Löwenbiss

      Mir gingen so Dinge wie: 'Ist eine Löwenbiss-Behandlung eine grobe Fahrlässigkeit oder wird die von der Reisekrankenversicherung abgedeckt?' oder 'Ist mein Hausarzt auf Löwenbisse eingestellt?' durch den Kopf. Ich glaube auch kaum, dass selbst die blutrünstige Bild-Zeitung diesen Vorfall erwähnt, wobei ich mir, je mehr ich darüber Nachdenke, doch eine Schlagzeile 'Deutscher Tourist in Südafrika vom Killer-Löwen angefallen' oder so was vorstellen kann.

      Wenn man für die National Parks keine Zeit hat und trotzdem Tiere sehen mag ist man in dem Park gut aufgehoben. Die Rückfahrt war so angenehm wie die Hinfahrt, ich sprach mit meinem Guide viel über Land und Leute, und hatte einen neuen Freund gewonnen. Den Tour Operator 'African Eagle' kann ich empfehlen:


      Abschied von einem neuen Freund

      Die Weiterreise nach Namibia hatte sich gezogen. Drei Stunden vor geplanten Abflug stand mein vorbestelltes Taxi bereit, ein Transporter mit zehn Sitzen für mich alleine. Verkehr war wenig, und wir erreichten zügig den Flughafen von Johannesburg. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis eine Schar 'Porter' auf mich zu zukamen, und mir mein Gepäck abnehmen wollten. Ignorieren hatte geholfen sie los zu werden. Das Check-In ging schnell und reibungslos. Ich fragte den Agent nach einer freien Reihe für mich alleine oder einer hübschen zwanzigjährigen Dame als Nachbarin. Nix da, 'this is my size' sagte der freundliche junge Agent. Doof wenn man alt wird...So behielt ich erst einmal meinen vorreservierten Sitz am Notausgang in der ersten Reihe. Der Weg zum Gate hatte sich gezogen .Ich musste zu Fuß das Terminal wechseln, und bei der Sicherheitskontrolle war die Schlange so lang wie früher vor der Eröffnung vom C&A zum Winterschlussverkauf in Deutschland. Und das Gleiche auch bei der Passkontrolle. Das Land hat bestimmt andere Probleme als 'Zinni muss warten bei der Ein- und Ausreise', aber eine hohe Motivation das noch einmal mir anzutun habe ich im Moment nicht.

      Mit Pfeil und Bogen oder Großwildwaffe hatte erwartungsgemäß niemand am Gate gesessen. Dafür hatte ich eine WhatsApp von einer Dorfschönheit aus Swakopmund erhalten, dass sie sich über meine baldige Ankunft freut. Ich dachte es wäre das Hotel, und auf meine Antwort 'See you soon' wurde geschrieben: 'Sie hat sich getäuscht, es tut ihr leid, sie möchte mich persönlich kennenlernen, dabei entschuldigen etc.'. Ich blockierte sie, um meine Ruhe zu haben. Ich frage mich heute noch, wer meine Daten missbraucht hatte, viel kommt ja nicht in Frage: Hotel / Airline / Shuttle). Und was das Motiv dafür war: Ein geplanter Überfall / Prostitution.... Zufall kann das nicht gewesen sein.


      SA Express / Flughafen Johannesburg

      Ich stieg als letzter ein, und mein Sitz war belegt. Das war mir egal, weiter hinten war alles frei. Nur durfte ich dort aus Trimmungs-Gründen nicht sitzen. Ich ging zu der ersten Reihe, und nahm den Gangplatz, weil ich auf Diskussionen keine Lust hatte.Während die Flugbegleiterin uns für den Notausgang einweisen wollte, stellte sich heraus, dass mein Nachbar kein Englisch konnte, und er musste sich umsetzen. So hatte ich doch meine gewollte Reihe für mich alleine.

      Der Flug selbst war kurz und belanglos, und schnell sah ich nach langer Zeit wieder einmal auf Namibia:


      Anflug auf Swakopmund (Handybild)

      Die Einreise war so schnell wie das Schreiben dieses Satzes, willkommen in Namibia. Okay, ich war auch der erste der am Schalter war.

      Der Nebel und die Sonne sind zusammen: Von Irene Country via Swakopmund nach Walfishbay

      Da von dem Flughafen von Walfish Bay nach Swakopmund kein Transrapid alle zehn Minuten abgeht, bestellte ich ein Shuttle im Voraus. Peinlich: Anstatt für dem Mai für den gleichen Tag im März. Der Inhaber wollte zum Glück ein paar Tage vorher eine Bestätigung haben, so dass ich das noch korrigieren konnte...

      Obwohl mein Zug von Walfish Bay aus abging, übernachtete ich in Swakopmund, der touristische Schwerpunkt des Landes. Dort war ich vor Generationen schon einmal. Wie der Name entstand, will so richtig keiner wissen.Hat mit einer Körperöffnung und Ausströmungen zu tun, mehr lieber nicht an dieser Stelle. Damals wie heute wohnte ich im Strandhotel. Es hat sich viel verändert,von 'meinem' Strandhotel in der Vergangenheit steht nicht mehr ein Stein, es wurde abgerissen und neu erbaut. Beim freundlichen Empfang hatte ich ein Upgrade erhalten. Das wird von mir immer gerne wieder genommen, vielen Dank auf diesem Wege!


      Mein Zimmer im Strandhotel in Swakopmund

      Der Hotel-Name ist Programm wie der Ausblick von meinem Zimmer zeigt:


      Blick vom Strandhotel in Swakopmund auf den Strand

      Trotzdem sollte man die Bezeichnung 'Strand Hotel' nicht allzu wörtlich nehmen. Bei der Temperatur des Wassers muss man schmerzfrei sein, um das zu ertragen. Sieht schön aus bis man seinen Fuß ins Wasser setzt. Der Vorteil: Es gibt jede Menge Fische, und die Farbe ist schön blau. Das Hotel ist schick und fein, und sollte mittlerweile das erste Haus am Platz sein.

      Eine Herausforderung war die Suche nach der Abfahrtszeit für mein Shuttle nach Walfish Bay.Rovos hatte meine Kontakt-Adresse, und naiv bildete ich mir ein, dass diese Informationen im Hotel vorliegen. Das Personal wussten leider nichts davon. Das Büro von Rovos ist samstags geschlossen, und die angegebene Notrufnummer vom Anrufbeantworter verstanden nicht einmal die Damen an der Rezeption. Wir mussten die für Deutschland zuständige Rovos-Repräsentation am Wochenende belästigen, um die Zeit herauszubekommen.

      Nach dieser Aufgabe ging mein erster Gang in das 'Swakopmund Brauhaus'. Solche Lokalitäten sind in Afrika eher selten, Namibia und Südafrika geltend als die trinkfreudigsten Nationen des Kontinents .Ich dachte es gibt wie der Name sagt selbst gebraute Biere, und wurde enttäuscht. Es gab nur die Alltagsgetränke 'Windhoek Lager' und 'Hansa-Bräu', und diese schmeckten so schal wie sie ausgesehen hatten:


      Bier im Brauhaus von Swakopmund

      Auch aus Stiefeln, was in Deutschland mittlerweile, zumindest in meinem Umfeld niemand mehr trinkt. Bei Durst ist das Lokal zu ertragen, der Knaller war es nicht. Die Einrichtung ähnelte schwer des Sportlerheims meines örtlichen Fußballvereins, dazu noch eine Hansa Rostock Fahne, erstaunlich vieldeutschen Polizei Aufnäher und die Reichsflagge. Und es scheint beliebt zu sein, die große Gaststätte war bei meinem Besuch ausgebucht, und mehrere telefonische Anfragen wurden abgelehnt. Ich blieb länger als gedacht, durch das gute Kassler mit Kraut. Das musste bei dem Standort sein:


      Kassler im Brauhaus von Swakopmund

      und dem Brand aus Kaktusfeigen,hier 'namibischer Obstler' genannt. Ein zweites Mal hingehen muss aber nicht sein. Weiterhin hatte ich Gäste von Rovos getroffen, die bei der Tour davor an Bord waren, und hatte mich mit denen sehr angenehm über die Zugreise unterhalten. Das Thema war top, meine Vorfreude wurde dadurch noch gesteigert.

      Obwohl mir gesagt wurde, dass die Stadt auch am Abend sicher sei, war mir auf dem Rückweg zum Hotel nicht wohl .Es war keine Menschen auf den Straßen, außer Bettler. Und es war dunkel, ohne eine Beleuchtung. Der 'Wer hat Angst vorm schwarzen Mann' Spruch war bei mir wahrscheinlich unnötig in den Kopf gekommen.Ich bildete mir ein, wenn eine Szene von einem Tatort in Namibia, wenn es denn so etwas gibt, gedreht wird mit einem Verbrechen dann dort. Klar, ich war die coolen und netten Einheimischen von den ersten Tagen gewohnt, die aber allesamt im Dienstleistungsbereich arbeiten, und nicht die afrikanische Realität sind.Ob meine Skepsis für einen ungewollten Besitzerwechsel meiner Wertgegenstände gerecht war oder nicht weiß ich heute noch nicht.

      Die 'Alte Brauereistube' (hier am Tage) war leider geschlossen nach meiner Rückkehr:


      Die 'Alte Brauereistube' in Swakopmund

      aber im Hotel fand ich das vor, was ich im Brauhaus vermisst hatte: Selbst gebrautes Bier. Und das schmeckte, Prost:


      Bier im Strandhotel von Swakopmund

      Das Namibia ein Land der Fleischesser ist, sah ich an der Speisekarte: Es wird ein 'Man Size Rump' mit einem Kilo Gewicht angeboten. Wenn man es packt, bekommt man die Chance ein 'Signature B&B Steak Knife' zu bekommen. Ich hätte keine Chance, und würde eine Woche dafür benötigen. Ich hatte ein nettes Gespräch mit einem Deutschen, der mit seinem Auto durch Afrika unterwegs ist. Durch meine Lieblingsthemen 'Essen, Trinken und Reisen' war es sehr unterhaltsam. Vielen Dank Ralph, und viel Spaßw eiterhin auf deinen Touren!

      Am nächsten Morgen sah ich aus dem Fenster, und sah erst einmal nichts. Swakopmund ist die Nebelhochburg des Kontinents. Der Benguela Strom fließt mit vierzehn Grad kaltem arktischem Wasser entlang der Küste.Er sorgt dafür, dass die Luft kondensiert, und an mehr als hundert Tagen im Jahr als dichter Nebel durch den Ort zieht:


      Nebel in Swakopmund

      Ich fragte an der Rezeption nach, ob mein gebuchter Ausflug in die Wüste und zu den Dünen einen Sinn ergibt. Ich wurde beruhigt, im Lauf des Vormittags schafft es meist die Sonne sich durchzusetzen.

      Zu Beginn der Tour noch nicht:


      Nebel nahe Swakopmund

      aber beim ersten Halt bei vielen Flamingos wurde es schon besser:


      Flamingos nahe Swakopmund


      Flamingos nahe Swakopmund

      Beim nächsten Halt wurde es skurril. Mehrere bunte Verdunstungsteiche waren zu sehen. Tatsächlich ist dies das Plankton, das sich in Salzwasser ausbreitet und für die Färbung des Wassers in diesen Salzgewinnungsseen in allen vorstellbaren Rot- und Rosatönen verantwortlich ist:


      Verdunstungsteiche nahe Swakopmund


      Verdunstungsteiche nahe Swakopmund


      Verdunstungsteiche nahe Swakopmund

      Wir überquerten die ehemalige Grenze zwischen Südafrika und Namibia.1977 wurde das 'Gebiet Walvis Bay' einer Provinz in Südafrika unterstellt. Auch nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 blieb dieser Zustand. Erst nach dem Ende der Apartheid 1994 gehört das Gebiet wieder zu der Republik Namibia:


      Die ehemalige Grenze zwischen Namibia und Südafrika

      Beim Anblick auf das Meer war ich froh, keine Kreuzfahrt gebucht zu haben:


      Blick auf die Küste bei Swakopmund


      Blick auf die Küste bei Swakopmund

      Wegen meiner Löwen-Erfahrung in Südafrika nahm ich den Kampf mit diesem blutrünstigen Raubtier auf:


      Zinni und sein Palmato-Gecko / Sandwich Harbour


      Zinni und sein Palmato-Gecko / Sandwich Harbour

      Unerwartet nahe ließ sich dieser Schakal sehen. Er störte sich nicht groß an uns, und wir ließen ihn auch seine Ruhe. Vermutlich ist er stärker als der kleine Gecko...:


      Ein Schakal nahe Sandwich Harbour


      Ein Schakal nahe Sandwich Harbour

      Unverletzt erreichten wir den Höhepunkt der Tour, die Fahrt durch die Dünen von Sandwich Harbour. Bei einem Blick darauf sollte bei jedem mit einer Vorliebe für Natur und Fotografie das Herz höherschlagen:


      Sandwich Harbour nahe Swakopmund


      Sandwich Harbour nahe Swakopmund


      Sandwich Harbour nahe Swakopmund


      Sandwich Harbour nahe Swakopmund

      Das Gebiet 'Sandwich Harbour' hätte diese Flagge verdient:


      Die verdiente Flagge von Sandwich Harbour

      Inklusive bei dem Ausflug war einer Achterbahn-Fahrt für große Jungs. Wir wurden in unseren Jeeps hin und her geschüttelt, wenn mein Fahrer Ambitionen hätte bei Paris-Dakar mitmachen zu wollen würde er mindestens im Mittelfeld landen:


      Jeep Fahrt durch die Dünen von Sandwich Harbour


      Jeep Fahrt durch die Dünen von Sandwich Harbour


      Jeep Fahrt durch die Dünen von Sandwich Harbour


      Jeep Fahrt durch die Dünen von Sandwich Harbour


      Video von der Jeep Tour durch die Dünen von Sandwich Harbour, siebzehn Sekunden Laufzeit


      Video von der Jeep Tour durch die Dünen von Sandwich Harbour, sechszehn Sekunden Laufzeit

      Manchmal war ich froh, dass wir einige schöne Stopps hatten, und in Ruhe die Landschaft genießen konnten:


      Stopp in Sandwich Harbour

      Die Tour war gelungen, und hatte sehr viel Spaß gemacht:


      Zinni in Sandwich Harbour

      Auch durch meinen Fahrer Karsten. Wer in der Gegend ist, und Lust darauf hat, kann gerne ihn direkt kontaktieren:

      Bernina 4x4 Tours / Karsten Louis / karsten.louis@yahoo.com / +264 8167337


      Zwei Wüstenfans / Sandwich Harbour

      Im Hotel zurück wunderte ich mich, welche Menge Sand in meinen Schuhen mit der Größe 46 passten, der Mülleimer war voll davon. So wunderschön der Ausflug auch war, ich freute mich am nächsten Tag auch endlich in den Rovos-Zug einsteigen zu können.

      An solche schönen Sonnenuntergänge hatte ich mich bereits gewöhnt auf der Reise:


      Gute Nacht Swakopmund

      Ein Löwe brüllt im Busch: Von Walfishbay nach Etosha

      Nach dem Transfer zu der Railway Station von Walfish Bay wurden wir freundlich mit Sekt begrüßt, und ich warf einen ersten neugierigen Blick auf mein Fahrgerät der nächsten Tage:


      Der 'Pride of Africa' in Walfish Bay

      Ich wurde zu meinem Abteil geführt, der Löwenanteil hatte das große Bett:


      Mein Bett bei Rovos

      was mir auf Anhieb gefallen hatte.

      Meine zuständige Hostess erklärte mir die Funktionen des Abteils. Zuerst befürchtete ich, dass ich den benötigten VHS Kurs dafür verpasst hatte. So kompliziert war es dann aber doch nicht. Bis auf die Jalousien, die auch meine Hostess und ein Mechaniker, Typ: Kraftbündel, nicht bedienen konnten. Sie versprachen mir eine Reparatur. Die Klimaanlage war auf 24 Grad eingestellt, ich dachte, wer schläft den freiwillig in einer Sauna. Später wusste ich den Grund: Nachts konnte es empfindlich kalt werden, so viel Unterschied zum Tag in Grad wie in etwa die Verluste der Volksparteien bei unserer letzten Europa-Wahl. Dieses Verstellen schaffte ich, ohne Hilfe, Lehrgänge und Verletzungen.

      Wahrscheinlich zur Überraschung aller Leser ging mein erster Ausflug an die Bar:


      Der Bar-Salon im Zug

      und ich beschloss umgehend, dass dieser Ort mein Wohnzimmer für die nächsten Abende sein wird. Die Barfrau sagte mir voraus, dass ich viele neue Freunde auf dieser Reise kennenlernen werde, und vorweg: sie hatte recht. An diesem Abend noch nicht, meine Mitreisenden waren nach der Anreise müde, und ich hatte alleine an der Bargesessen.

      Schlafen war angesagt, das Bett war sehr bequem und vom Platz für mich alleine mehr als ausreichend. Geschlafen hatte ich und alle mir bekannten Passagiere in der ersten Nacht trotzdem schlecht. Wenn gebremst wurde, was regelmäßig passierte, klang das in etwa so wie wenn jemand neben einem eine Vuvuzela bläst. Nachträglich hatte ich den Grund erfahren: Es lag viel Sand auf den Gleisen. Das bietet wenigstens etwas Gutes: Einen triftigen Grund noch mehr zu Trinken zum Einschlafen.

      Als ich mir am nächsten Morgen bei einem weiteren Misserfolg die wuchtigen Jalousien zu öffnen einen meiner Daumen demolierte, meine Hände voller Öl waren, und lautes Fluchen nichts nutzte ließ ich mir die Zug-Managerin holen. Sie hatte ein Einsehen und Erbarmen mit mir. Ich konnte das Abteil wechseln, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Die Folgen sind beim Schreiben des Berichtes fünf Wochen nach der Reise noch sichtbar. Aber egal, das Leben ist viel zu kurz um zu jammern.

      Wir fuhren los, doch die Freude hielt nicht lange. Die Lokomotive war defekt, und eine neue musste angefordert werden. Das passierte bei dieser Reise öfter. Sieben Mal gab es einen unplanmäßigen Halt, was über der durchschnittlichen Rovos-Train-Ausfall-Prozent-Quote-pro-Reise lag.

      Schnell fand ich meinen Lieblingsplatz während der Fahrt, der Panorama-Wagen, hier Observation Salon genannt, mit Außensitzen und Barservice:


      Zinni im Panorama-Wagen im Stolz von Afrika


      Zinni im Observation Salon

      Viele Kinder und auch Erwachsene winken uns während der Fahrt freundlich zu, aber bei nötigen Stopps wie eine Wasseraufnahme etc.wurde auch gebettelt. Aber weitaus nicht mit professionellen Methoden wie in Indien, ein plumpes 'Give me Money' ist verbesserungswürdig. Richtig dauerhaft genervt hatte aber niemand. Alleine meine Kameraausrüstung übersteigt den Durchschnitt eines Jahreseinkommens, wahrscheinlich hielten sie uns für einen fahrenden'Klub der Millionäre'.

      Ich hatte erwartet mehr Orte und Einwohner auf der Fahrt zu sehen, aber in die Weite der Namib passen immerhin Deutschland, Polen,Österreich und die Schweiz zusammen hinein:


      Mit Rovos unterwegs in der Namib

      Lange waren wir nicht gefahren. Wir hielten am Bahnhof der Stadt Otjiwarongo an, um weiter mit dem Bus zum Etosha-Park zu fahren. Dort war eine Übernachtung in einer Lodge geplant. Schön war die Verabschiedung vom Personal bei jedem Ausflug mit einem fröhlichen Winken. Es kann aber auch gut sein, dass sie froh waren uns Nervensägen los zu waren.

      Nach der belanglosen Busfahrt sah die Mokuti Etosha Lodge auf den ersten Blick schick aus:


      Der Pool der Mokuti Etosha Lodge

      ist aber eher für die Masse ausgelegt. Das Zugpersonal bedauerte, dass man nicht etwas exklusiveres buchen kann, da die anderen Unterkünfte zu klein für eine Gruppe von Rovos-Gästen sind.

      Schön war der Blick aus meinem Zimmer auf exotische Tiere:


      Blick von meinem Zimmer aus in der Mokuti Etosha Lodge

      Das Mittagessen war so wie ich es mir in einem Ein-Sterne-all-Inclusive-Hotel in der Türkei vorstelle. Keine weiteren Details. Ärgerlich wurde es, als ich ein Bier bestellte, bezahlte, und kein Wechselgeld zurückerhalten hatte. Das war in etwa der Tageslohn eines Farm-Arbeiters im Land. Es hatte lange gedauert, mit vielen erfolglosen Bemühungen, bis ich die Dollar hatte. Später mehr dazu. Eine VIP Behandlung wie in Johannesburg versprochen war das nicht.

      Das war schnell vergessen, als wir am Nachmittag unser erster 'Game-Drive' auf unserer Reise hatten. In kleinen speziell auf Pirschfahrten ausgelegten Fahrzeugen ging es los, um hoffentlich viel 'Big Five' Tieresehen zu können.

      Und schnell war die Nummer Eins gesehen, zwei Elefanten:


      Elefanten im Etosha Nationalpark


      Elefant im Etosha Nationalpark

      Zebras gehören nicht dazu, es war trotzdem schön sie zu beobachten:


      Zebras im Etosha Nationalpark

      Zebras im Etosha Nationalpark




      Video von Zebras im Etosha Nationalpark, zwölf Sekunden Laufzeit

      und noch in der Kombination mit einer Giraffe:


      Zebra und Giraffe im Etosha Nationalpark

      Horntiere gab es genug zu sehen:


      Horntiere im Etosha Nationalpark

      Das war alles mehr oder weniger Kleingram, doch dann war sie da. Die erste und letzte wilde Löwin der Reise. Gebrüllt hatte sie im Busch nicht, sondern wollte eher ihre Ruhe haben:


      Eine Löwendame im Etosha Nationalpark

      Mehr Aktivitäten gab es an einem Wasserloch, was mehrfach angesteuert wurde. Vermutlich wäre es vernünftig gewesen, nur dort zu bleiben, und auf die durstigen Tiere zu warten:


      Ein Wasserloch im Etosha Nationalpark


      Ein Wasserloch im Etosha Nationalpark


      Ein Wasserloch im Etosha Nationalpark


      Video von einem durstigen Elefanten, siebzehn Sekunden Laufzeit


      Video von einer Giraffe, ein Elefant und ein Nashorn, einunddreißig Sekunden Laufzeit


      Video von Antilopen in Etosha, siebzehn Sekunden Laufzeit

      Kurz vor der Rückkehr sahen wir zum Abschied noch eine Elefantenherde:


      Elefantenrunde nach der Bundestagswahl im Etosha Nationalpark


      Video von Elefanten im Etosha-Park, siebzehn Sekunden Laufzeit

      Etwas mehr Tiere zu sehen hatte ich erhofft, ist aber Natur und nicht planbar. Der Himmel bot aber wieder ein schönes abendliches Spektakel:


      Der Himmel über Etosha


      Der Himmel über Etosha

      Ein landestypischer Grillabend brachte mir die Erkenntnis, dass auch Fleisch zubereitet nach traditionelle Methoden zäh sein kann. Das Ereignis wird hier 'Braai' genannt, was mit der Konsistenz unseres Breies nicht ansatzweise etwas zu tun hat. Mit richtigem Feuer und Rauchgeruch. Wer das in Deutschland nur Weber-Grills kennt bitte Opi fragen. Vegetarisch zu bestellen war mir aber doch etwas zu dekadent, wahrscheinlich hätten sie mir bei der Fleischeslust des Landes Hühnchen als Alternative serviert.

      Alle Gäste gingen danach ins Zimmer, außer Zinni. Und was für eine Überraschung, Richtung Bar. Ich war dort der einzige Gast, führte ein interessantes Gespräch mit der Managerin, und hatte eine schöne Unterhaltung. Sie kannte ihren alten Manager, der jetzt in Irene Country ist. Wir machten vermutlich lustige Fotos von uns, und sendeten ihm diese. Ich sprach nebenbei sie auch an wegen dem Wechselgeld am Mittag. Etwas später staunte ich, die betroffene Bedienung stand neben mir, und entschuldigte sich. Er wurde in seiner Freizeit gebeten zur Unterkunft zu kommen, und um eine Stellungnahme gebeten. Das war nicht das was ichg ewollt hatte. Er war zumindest äußerlich nicht sauer, und behauptete, er hätte es einem anderen Gast gegeben. Ob das stimmt sei dahingestellt. Ich gab ihm die Hand, und sagte ihm dass alles ok sei.

      Das am nächsten Morgen der Weckanruf nicht erfolgte erstaunte mich nicht, sicherheitshalber hatte ich meinen Wecker gestellt. Es ging früh heraus zum nächsten Game-Drive in den Park. Auch wenn mich Etosha an einen riesigen Zoo erinnert, bleibt es doch Natur. Von den großen Fünf -Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard- sahen wir nur Nashörner kilometerweit entfernt:


      Nashörner im Etosha Nationalpark

      Da sie nur sehr eingeschränkt zum Reiten geeignet sind, war es vielleicht auch besser so.

      Am Wasserloch hatte noch niemand Lust auf einen Frühschoppen, außer dieser Giraffe:


      Giraffen-Frühschoppen im Etosha Nationalpark

      ein Schakal ließ sich kurz sehen:


      Ein Schakal im Etosha Nationalpark

      und das war es schon. Selbst die 'kleinen Fünf' -Käfer, Mäuse, Vögel, Fliegen, Füchse oder sonst was, ist nicht festgelegt- waren rar. Interessant fand ich, dass Studiosus mit einem unpassenden großen Bus durch das Gelände gefahren war, da war ja noch weniger zu sehen.

      Mit Pannen hatte ich es bei dieser Reise, unser Bus gab auf der Fahrt zum Zug auf, und ein Ersatz musste bereitgestellt werden .Es gibt nichts Schöneres, als mitten im Nirwana zu stranden. Ich ertrug es mit Fassung.


      Panne auf dem Weg zum Etosha Nationalpark

      Zurück im Zug ging es durch eine schöne Landschaft weiter zur Hauptstadt des Landes, Windhoek:


      Auf dem Weg nach Windhoek


      Auf dem Weg nach Windhoek

      Die Wege der Weisheit führen durch die Wüste: Von Etosha nach Sossusvlei
      Nach der morgendlichen Aufregung gab es einige Stunden lang nur Essen, Trinken, Gegend schauen, dummes Zeug reden (kann ich gut) und den Aufenthalt an Bord genießen, das war herrlich:


      Video von 'Unterwegs mit Rovos', acht Sekunden Laufzeit

      Ein windiger Winkel namens Windhoek war das nächste Ziel, die Hauptstadt von Namibia. Bei einem Blick auf die Straßenschilder fühlt man sich manchmal in Deutschland zurück, wobei immer mehr umbenannt werden, man möchte die Überbleibsel der deutschen Unterdrückerherrschaft nicht mehr. Nur die 'Hans-Dietrich-Genscher-Straße' ist sicher davon, sie gibt es erst seit 1990. Es gibt aber auch eine Fidel Castro Street, denn die SWAPO wurde von der Sowjetunion und Kuba unterstützt. Bizarr war das Projekt 'Noah's Ark II'. Namibia exportierte eine dreistellige Anzahl von Wildtieren nach dem staatlichen Zoo von Kuba....

      Es geht aber noch skurriler beim Anblick auf das 'Independence Museum', vor Ort 'Kaffeemaschine' genannt, und unser Halt in der Stadt. Es wurde von Nordkoreaner erbaut. Und nicht nur dieses Gebäude. Wer sich fragt warum: Namibia exportiert Uran, und ist einer der größten Länder der Welt davon. Noch Fragen? Was sich die Erbauer dabei gedacht hatten weiß ich nicht, vielleicht war zu viel Sake im Spiel. Eine Werbung für 'Gelungene Architektur aus Nord-Korea' war das nicht:


      Das Independence Museum in Windhoek


      Das Independence Museum in Windhoek

      Das Beste dabei ist die Aussicht auf die Stadt:


      Blick vom Independence Museum aus auf Windhoek

      auf die Christuskirche:

      Blick vom Independence Museum aus auf Windhoek

      und die alte Feste mit dem Reiterdenkmal, das dem Museum weichen musste, und zudem den Status eines nationalen Denkmals verloren hat. Heute ist es einsam dort, da die Festung seit 2014 wegen Sanierung geschlossen ist, die aber in 2019 immer noch nicht begonnen haben. That's Afrika. Oder auch: Von deutschen Großprojekten gelernt:


      Blick auf die Alte Feste in Windhoek


      Gedenktafel vor der Alte Feste in Windhoek

      Viel mehr Sehenswürdigkeiten hat Windhoek nicht. Wir fuhren zu dem nationalen Flughafen Eros, um von dort aus nach Sossusvlei zu fliegen. Dort wurden wir von unseren Piloten begrüßt, die vom Aussehen nach noch vor kurzer Zeit die Schulbank gedrückt hatten. Vertrauen hatte ich trotzdem, und bestieg den Sitz neben dem Piloten in der Cessna .Ich versprach ihm hochheilig, nichts zu berühren von etwas wo ich keine Ahnung habe:


      Cessna V5-JPK der Desert Air in Sossusvlei

      Der Flug war der Knaller, mit super Aussichten auf das Land, und einem 'Wow' vor Begeisterung von mir nach der Landung:


      Auf dem Flug zur Sossusvlei Lodge


      Auf dem Flug zur Sossusvlei Lodge

      Er hätte ruhig länger sein können...


      Zinnis Abschied vom Flug

      Wir wurden zu unserer Unterkunft 'Sossusvlei Lodge' gefahren, und bezogen unsere Zimmer:


      Mein Bungalow in der Sossusvlei Lodge

      Es gab ein ähnlich mieses Mittagessen wie in Etosha, und wir hatten den Nachmittag zur freien Verfügung:


      Der Pool der Sossusvlei Lodge

      Nach dem Motto 'Sorge dich nicht Lebe' buchte ich am Vortag meine erste Ballon-Fahrt über die Dünen von Sossusvlei .Ich fühlte mich wie jemand, der vierzig Jahre lang Lotto spielt, und dann das erste Mal gewonnen hat. Die Beschreibung über die Wüste zu gleiten hörte sich verführerisch gut an. Man ist oben, und hat seine Ruhe. Kurz nach der Ankunft in unserer Lodge wurde mir schnell die Hoffnung genommen, aus Wettergründen wurde die Fahrt gestrichen. Wie wenn man nach dem mutmaßlichen Gewinn einsieht, dass man den Lottoschein nicht abgegeben hat .Ich nahm Doppelherz als Hauptsponsor dieser Reise in Betracht.

      Die 'Tour der Enttäuschung' wurde fortgesetzt. Eine 'Desert Drive with Sunset' war angesagt. Wir verteilten uns wie üblich auf kleine Jeeps, und am Anfang war es richtig nett. Es gab erwartungsgemäß nichts an wilden Tieren zu sehen, aber eine herrliche Bergwelt:


      Unterwegs in Sossusvlei


      Video von der Fahrt durch die Landschaft von Sossusvlei, zehn Sekunden Laufzeit

      Auffallend waren die Nester von den geselligen Webervögeln (Sociable Weaver).Oft hängen in den Baumkronen die Hängenester dicht beieinander:


      Nester von geselligen Webervögeln

      Es war toll, aber es wurde später und später, und unsere Befürchtung war, dass wir nicht mehr pünktlich den Sonnenuntergang sahen. Grund war der Fahrer vor uns, der seinen Gästen anscheinend jedes Sandkorn erklärte, und wir ihn nicht überholen durften. Und in der Tat, als wirden geplanten Platz der Beobachtung erreichten, war die Sonne schon untergegangen:


      Der 'Fast-Sonnenuntergang' in Sossusvlei


      Du musst mit dem Mond träumen, wenn du zum Himmel willst

      Klar, ich habe schon viele schöne Sonnenuntergänge gesehen, und es gibt Schlimmeres. Aber das war unnötig, und hätte leicht vermieden werden können. Als Trost errichtete Rovos eine Sunset-Bar, wo wir unseren Frust herunter spülen konnten:


      Die Sunset-Bar von Rovos


      Zinni in der Wüstenbar

      Alle Gäste dachten, dass wir zurück in die Lodge zum Abendessen fahren würden. Mir graute davor nach der Massenabfertigung zum Mittagessen). Aber nach einer kurzen Wanderung wurde uns dieses in der Vlei (Afrikaans für Pfanne bzw. Senke) stimmungsvoll präsentiert:


      Diner in der Vlei


      Diner in der Vlei

      Zur Auswahl gab es Fleisch vom Kudu, Zebra und/oder Oxyd. Ich wählte Kudu, es war leider nicht das zarteste Fleisch in meinem Leben. Richtig genießen konnte ich das Event nicht, weil ich schwach nachtblind bin, und Schwierigkeiten hatte überhaupt etwas zu erkennen. Ich benutzte während meines Essens meine Taschenlampe...

      Ein kleiner Hieb-eared Fuchs mit seinen großen Ohren hatte Geschmack an unserem Diner gefunden. Er suchte respekt- und furchtlos nach etwas Essbaren:


      Ein kleiner Hieb-eared Fuchs

      Am nächsten Morgen rechnete ich nicht mit viel Tourismus in Sossusvlei, bei der abgeschiedenen Lage des Ortes Ich täuschte mich, nicht nur wir hatten die Idee, die schöne Dünenlandschaft zu besuchen.

      Anscheinend zum Pflichtprogramm gehört der Aufstieg zur Düne 45. Sie liegt am Straßenkilometer 45, wir hatten keine Zeit dafür:


      Düne 45 in Sossusvlei


      Dünen in Sossusvlei

      'Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet' war mir dabei eingefallen.Zur Selbstfindung ist der Ort nur sehr eingeschränkt zu empfehlen.Trotzdem war der Blick auf die höchsten Dünen der Welt traumhaft schön:


      Dünen in Sossusvlei


      Dünen in Sossusvlei


      Dünen in Sossusvlei

      Danach hatten wir eine 'afrikanische Massage' spendiert bekommen. Nur mit Allradantrieb, oder etwas eingeschränkt auch zu Fuß möglich, ging es weiter zum Dead Vlei. Wir waren faul, saßen im Jeep, und wurden durchgeschüttelt:


      Eine afrikanische Massage in Sossusvlei


      Video von der afrikanischen Massage in Sossusvlei, vierzehn Sekunden Laufzeit

      Aber die Mühen hatten sich gelohnt. Wer Lust hatte wie ich konnte immer geradeaus in die Wüste laufen Richtung Dead Vlei:


      Auf dem Weg zum Dead Vlei

      Hinweis-Schilder gab es keine. Unser Guide verschätzte sich bei der Entfernung, ich war mir nicht sicher ob ich den richtigen Weg gegangen war. Verloren konnte ich aber auf Grund der vielen Touristen aber auch nicht gehen. Gefunden hatte ich das Dead Vlei dann doch. Es ist schon seit geraumer Zeit durch eine große Sanddüne vom Wasser abgeschlossen. Die Folge davon sind seit Hunderten Jahren toter Kameldornbäume, die in der extremen Trockenheit der Wüste konserviert werden,und vom Verwesungsprozess abgehalten werden:


      Das Dead Vlei in Sossusvlei

      Was für ein bizarrer Ort:


      Das Dead Vlei in Sossusvlei

      Hier war es wunderschön, ich hätte stundenlang fotografieren können, und fand immer wieder neue Motive:


      Das Dead Vlei in Sossusvlei


      Das Dead Vlei in Sossusvlei

      Ging leider nicht, unsere Fahrer mit ihren Jeeps:


      Unser Carpark in Sossusvlei

      warteten. Sie brachten uns zum 'Breakfast in the Vlei':


      Breakfast in the Vlei

      Bis dahin konnte ich noch nicht verstehen, warum meine Ballon-Fahrt abgesagt wurde, bei dem aufkommendenheftigen Wind dort hätte die Fahrt in derTat keinen Spaß gemacht, und hätte auch keinen Sinn ergeben. Das 'Sandsturm' zu nennen wäre vielleicht übertrieben gewesen:


      Sturm in Sossusvlei


      Sturm in Sossusvlei

      Wir sorgen uns sogar umsonst, ob wir wieder mit unseren Cessnas zurück nach Windhoek kommen.

      Nach dem Start:


      Flieger Blick auf Zinni

      erlebte ich wieder einen hervorragenden Sightseeing-Flug über die Weiten von Namibia:


      Namibia aus der Luft gesehen


      Namibia aus der Luft gesehen


      Video von dem Flug nach Windhoek, neunzehn Sekunden Laufzeit

      Warum die Lotsen entschieden hatten, das langsamste Flugzeug zuletzt starten zu lassen kann nur jemand erklären, der die namibische Mentalität versteht. Ich befürchte niemand. Dementsprechend war die Wartezeit der zuerstgelandeten Passagier lang. Für europäische Verhältnisse...

      Sehen ist anders als erzählt bekommen: Von Sossusvlei via Garas und Fish River Canyon nach Upington

      Nach dem agilen Sossusvlei Aufenthalt war ich froh, wieder an Bord meine Ruhe zu haben, und die Landschaft vom Panorama-Wagon aus zu genießen:


      Rovos auf dem Weg nach Garas Park

      Bis wir immer langsamer wurden, die Steigerung eines Hügels wurde für die Lokomotive zur Qual. Wahrscheinlich waren wir durch das gute Essen zu dick geworden...Wir hatten zu wenig Antrieb, packten es nicht ohne Hilfe, und eine zusätzliche Lokomotive wurde angefordert. Das dies für die Betreiber eine Überraschung war konnte ich mir schlecht vorstellen, der Hügel ist bestimmt nicht steiler geworden, und die Strecke wird seit Jahren bedient...

      Das war ein schöner Moment unseren Stolz auf ein Bild zu packen:


      Rovos Rail on Tour


      Rovos Rail on Tour

      bis die benötige Kraftverstärkung uns erreichte:


      Unsere Hilfe kommt


      Unsere Verstärkung

      Danach Störungsfrei erreichten wir die Regionshauptstadt Keetmanshoop (Keetmans Hoffnung). Sie wurde 1866 als Missionsstation aufgebaut. Sponsor war der deutsche Kaufmann und Bankier Johann Keetman, der selbst aber nie dort war.

      Der Bahnhof wurde 1908 von Deutschen errichtet, und brannte in 1918 aus. Das neue Gebäude stammt aus 1928, und ist somit der einzige Bahnhof in Namibia, der nicht in der deutschen Zeit erbaut wurde:


      Der Bahnhof von Keetmanshoop

      Unser erster Gang ging zur ehemaligen evangelischen Missionskirche. Sie ist seit dem 9. Juni 1978 ein nationales Denkmal, und das älteste Bauwerk der Stadt. Heute ist sie ein kleines Museum:


      Die rheinische Missionskirche von Keetmanshoop


      Die rheinische Missionskirche von Keetmanshoop

      Das war nicht der Grund des Ausfluges, sondern der Garas (Nama / Damara Sprache, englisch Quivertree,deutsch Köcherbaum) Park. Fake News: Es sind keine Bäume, sondern eine Aloen-Art, die etwa fünf Meter hoch werden kann. Früher wurden Pfeilköcher aus den Ästen geschnitzt, so ist der Name entstanden. Manche Pflanzen sind über zweihundert Jahre alt, und eher Einzelgänger (na ja eher Steher...). In dem Park sind sie gehäuft, daher eine besondere Attraktion.

      Es gibt einen kleinen Campingplatz mit viel Liebe und Humor. Die Besitzerin verkauft allerlei skurriles:


      Eingang zum Campingplatz vom Garas Park

      dass davon die Einwohner steinreich sind (siehe Hintergrund):


      Die Locals vom Garas Park

      Die Pflanzen stehen im Vordergrund der Landschaft:


      Köcherbäume im Garas Park


      Köcherbäume im Garas Park


      Köcherbäume im Garas Park


      Köcherbäume im Garas Park


      Köcherbäume im Garas Park

      Aber auch die Formationen der Doloritfelsen sahen so aus, als ob Giganten damit gespielt hatten:


      Köcherbäume und Doloritfelsen im Garas Park

      Ein Panoramablick über den Garas Park:


      Blick auf den Garas Park

      Die Anlage wirkt sehr surreal, was das Verhalten der Gäste beeinflusste.Bei diesem Video stört der nervige Tourist, ein Deutschland-Trottel in Afrika, im Vordergrund:


      Video von Garas und Zinni, sechszehn Sekunden Laufzeit

      Ich hätte noch Stunden dort verbringen können, und hätte mich dabei keine Sekunde gelangweilt. Für Freunde der Fotografie ist es ein Genuss und Paradies. Harmonie zwischen Menschen und Natur, manchmal geht das.

      Vor der Abfahrt war ich mit einem Mitarbeiter des Bahnhofs ins Gespräch gekommen. Er fragte mich unter anderem ob ich reich sei. Für seine Verhältnisse bestimmt, aber ein plumpes 'Ja' wäre mir zu albern gewesen. Ich erzählte ihm eine Story, dass dies die Reise meines Lebens sei, und ich darauf jahrelang gespart hatte. Ohne in Details zu gehen: War übertrieben, aber ein Klumpen Wahrheit steckten dahinter. Wir trennten uns als neue Freunde.


      Bahnfreunde unter sich

      Das war nicht der einzige Höhepunkt an dem Tag. Nach zwei Stunden Eisenbahn-Fahren erreichten wir Holoog, um nach einer Stunde Busfahrt am einhundertsechzig Kilometer langen Fish River Canyon vorbeizuschauen. Er ist der größte Canyon von Afrika und nach dem Grand Canyon der zweitgrößte der Welt. Wie oft musste unser Reiseleiter auf irgendetwas warten...:


      Das lange Warten am Fish River Canyon

      Das hatte sich gelohnt, die Aussichten war fantastisch:


      Ausblick auf den Fish River Canyon


      Ausblick auf den Fish River Canyon

      Nicht nur 'wir vom Zug' genossen den Blick auf Afrikas tiefste Schlucht:


      Hier könnte ihre Werbung stehen

      aber ansonsten war sehr wenig los. Die meisten Besucher sind morgens dort, wenn das Licht wesentlich besser ist. Wir konnten einen Pfad am Rande der Schlucht entlanglaufen:


      Wanderweg am Fish River Canyon

      An dieser Stelle sah es so aus, dass früher eine Treppe von dort ins Tal ging. Wer das heute probiert, und ein 'Guter' ist, landet wahrscheinlich schnell im Himmel, der Rest in nicht so schöne Regionen:


      Die Treppe zum Himmel?

      Die Landschaft erinnerte mich etwas an den Uluru / Ayers Rock:


      Landschaft am Fish River Canyon

      Leider viel zu früh erreichten wir unser Ziel:


      Blick auf den Fish River Canyon

      wo wie gewohnt Rovos sich etwas hatte einfallen lassen .Ich vergab der improvisierten Lokalität das Prädikat 'Schönste Bar der Welt':


      Zinni in der schönsten Bar der Welt am Fish River Canyon

      Die Gegend war magisch für mich, was aber nicht viel heißt bei diesem Urlaub, weil vieles magisch war. Das bei der Busabfahrt angebotene Bier vom Zug-Personal wirkte auf mich vermutlich wie Zebrakeulen für hungrige Löwen. Wie der ganze Tag: Lekker. Das Wort wird in Südafrika für sämtlichen Lebenslagen angewandt, nicht nur für Nahrungsmittel. Auch zum Beispiel für 'That girl was so lekker!'

      Die Reichen beschweren sich immer: Von Upington nach Kimberley

      Warten auf die Einreise in Südafrika. Ein Dauerthema dieser Reise wie auch hier. Mitbekommen hatte ich nichts, und durfte durchschlafen. Andere Passagiere wurden geweckt, das Auswahlsystem hatte sich mir nicht erschlossen. Aber vorher musste das Zugpersonal Geduld haben, denn auf der namibischen Seite der Grenze war einfach kein Grenzpersonal anwesend. Ich könnte jetzt schreiben 'Typisch Afrika', ist mir aber auch schon ähnlich in anderen Kontinenten passiert. Mir war das egal, und bewusst, dass ich nichts verpassen konnte. Upington strotzt nicht mit Attraktionen, und vorweg, es war das Lowlight der Reise. Es lag halt auf dem Weg, warum aber die einhundertzwanzig Kilometer entfernt gelegenen Augrabiesfälle nicht besucht wurden hatte ich nicht verstanden.

      Nach der Ankunft verließen wir den Zug, und liefen in einer Gruppe. Alleine unterwegs wurde nur eingeschränkt empfohlen:


      Mit Rovos zu Fuß unterwegs in Upington

      an einem Friedhof vorbei:


      Ein Friedhof von Upington

      zu einem Guesthouse.

      Einige Passagiere schauten auf den Fluss Oranje:


      Fluss Oranje, Upington

      und die wie ich Internetsüchtigen quälten sich mit dem stockenden WiFi dort. Es gab aber immerhin eines, im Zug keines.

      Danach liefen wir durch die Stadt, um die 'Catholic Co-Cathedral Of St Augustines' von außen anzuschauen. Für den, der noch nie eine Kirche gesehen hat, war es bestimmt interessant:


      Catholic Co-Cathedral Of St Augustines, Upington


      Catholic Co-Cathedral Of St Augustines, Upington

      Nach belanglosen Straßenszenen:


      Downtown Upington

      und ein paar Graffiti, die mehr über Land und Leute aussagen als einige Reiseführer:


      Graffiti in Upington


      Graffiti in Upington

      ging wir in ein Geschäft, um getrocknete Früchte zu kaufen. Ich hatte noch ein paar Rand, und machte internationale Geschäfte. Das Ziel fast aller Bundesliga-Vereine in einer Saison. Ob die verdaubar sind müsste ich meine Bekannten fragen, denen ich diese als Mitbringsel schenkte. Noch hat keiner die Freundschaft gekündigt.

      Fertig, das war es. Es riss niemanden vom Hocker, und war eher nichts aussagend. Das war mir im Vorfeld bereits bewusst. Die Tour würde bei einer Bewerbung 'Langweiligster Ausflug meines Lebens' ganz vorne liegen.
      Das gibt wenigstens wieder etwas Zeit über den Zug zu schreiben, dieses Mal über das Essen an Bord. Um einen lokalen Zahnarzt Besuch zu vermeiden, hatte ich den Verzehr von zähem luftgetrockneten Fleischfetzen (hier landestypisch 'Biltongs' genannt) als Snack vor den Mahlzeiten vermieden:


      Biltongs im Zug

      Es gab zwei Restaurants mit unterschiedlicher Ausstattung, freie Sitzwahl und gleichem Essen:


      Das Restaurant im Zug

      von dem aus wir während der Fahrt schöne Ausblicke hatten:


      Blick aus dem Zug-Restaurant in die Weite von Afrika

      Die Auswahl an Gängen war aus Platzgründen bescheiden. Sonderwünsche wurden erfüllt, und ich war nie hungrig ins Bett gegangen.

      Hier ein Beispiel-Menü:


      Ein Menü vom Abendessen im Zug

      und eine Präsentation von diversen Gerichten, ich bestellte extra immer kleine Portionen:


      Verschiedene Gänge zum Abendessen

      Geschmeckt hatte es fast immer. Nur die trockene Hühnerbrust, die anstelle meines bestellten vegetarischen Gerichtes serviert wurde, brauche ich nicht mehr.
      Die Sonnenuntergänge zu verfolgen waren stets ein Höhepunkt des Tages. Hier eine Auswahl in Bild und Ton:


      Gute Nacht Rovos!


      Gute Nacht Rovos!


      Video von einem Sonnenuntergang vom Zug aus gesehen, zwölf Sekunden Laufzeit

      Ein Sitzplatz bringt keinen Reichtum: Von Kimberley nach Johannesburg

      Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!

      Dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe begründet den Reichtum von Kimberley. 'The Big Hole' sah ich bei einem Zwischenstopp in Kimberley vor vielen Jahren bereits einmal aus der Luft. Nun stand mein Erstbesuch vom Boden aus an. Wir sollten das größte von Menschen geschaffene Loch mit einer geführten Tour folgen, die mit einem Film beginnen sollte. Dazu hatte ich keine Lust, und trennte mich von der Gruppe. Was den lokalen Guide nicht erfreute, nach meiner Frage nach einem Plan von der Anlage antwortete er unfreundlich 'I'm the map'. Na dann.

      Auch ohne Hilfe fand ich diese Konstruktion:


      Auf dem Weg zum Big Hole in Kimberley

      mit diesem Stahlgerüst:


      Big Hole in Kimberley

      von dem aus ich Blicke auf die kraterartige Landschaft mit der Stadt im Hintergrund:


      Blicke auf 'The Big Hole' in Kimberley

      und dem Loch mit dem Durchmesser von 460 Metern genießen konnte.

      Das Wort 'big' ist keine Übertreibung:


      'The Big Hole' von Kimberley

      Das Wasser ist kräftig grün, vermutlich wegen Algen?:


      'The Big Hole' von Kimberley

      Seit 1914 ist die ehemalige Mine stillgelegt, und es werden keine Diamanten mehr abgebaut:


      Big Hole in Kimberley

      Dann fuhr ich mutterseelenalleine mit einem Fahrstuhl minutenlang tief in den Untergrund. Mir war es wie eine Ewigkeit vorgekommen.Etwas mulmig war mir dabei zumute. Endlich angekommen, ging ich in die falsche Richtung, wieder zum Ausgang. Ich realisierte überraschend, dass ich nur einige Stufen steigen musste, um wieder an der frischen Luft zu sein. Diese Lausbuben hatten die Fahrt nur simuliert, und den Eindruck erweckt, kilometerweit herunterzufahren.

      Aber auch die Wege durch die Stollen sorgten bei mir für Gänsehaut-Effekte:


      Im tiefen Untergrund vom Big Hole in Kimberley


      Im tiefen Untergrund vom Big Hole in Kimberley


      Video vom tiefen Untergrund vom Big Hole in Kimberley, achtundzwanzig Sekunden Laufzeit

      Ein Lob für die Verantwortlichen, das haben sie gut und glaubhaft umgesetzt.

      Das Museum wurde streng überwacht, kein Wunder bei den Diamanten, die dort ausgestellt sind:


      Diamanten im Big Hole Museum in Kimberley


      Diamanten im Big Hole Museum in Kimberley

      Geleistet hatte ich mir keinen.

      Außerhalb des Geländes gibt es noch etwas 'Old Town' Stimmung, nur schade, dass alle Bars geschlossen hatten:


      'Old Town' vom Big Hole in Kimberley


      'Old Town' vom Big Hole in Kimberley

      denn Nektar-Tee muss ich mir nicht antun:


      'Old Town' vom Big Hole in Kimberley

      In Kimberley musste unser Zug für den letzten Reiseabschnitt gedreht werden, dabei gab es technische Probleme. Dadurch gab es noch eine fotostoppfreie Stadtrundfahrt. Etwas wirklich Sehenswertes konnte ich nicht erblicken.

      Durch die Verspätung konnten wir leider später bei der Weiterreise nach Pretoriawegen einsetzender Dunkelheit die Flamingos am Kamfers Dam nur mehr oder weniger als Silhouette sehen. Schade, trotz der schönen Atmosphäre:


      Flamingos am Kamfers Dam


      Flamingos am Kamfers Dam

      Dieses Gebiet ist eine von nur vier Brutstätten für Zwergflamingos in ganz Afrika. In einer spektakulären Aktionretteten die Einwohner von Kimberley im Januar 2019 zweitausend Küken. Durch eine anhaltende Trockenheit war so viel Wasser am Brutplatz verdunstet, dass die Vögel ihre Gelege und Jungen aufgegeben hatten. Erst Anfang Mai kurz vor meiner Reisekonnten die Kleinen zurück zu ihrem Stammplatz gebracht werden.

      Bei diesem Video sieht man leider keine Flamingos, aber man kann sich vorstellen, dass ein Schlaf beim Bremsen des Zuges nur sehr schwer möglich ist:


      Video vom Blick auf den Kamfers Dam, sechszehn Sekunden Laufzeit

      Ein Mensch ist ein Mensch durch andere Menschen: Von Johannesburg nach Frankfurt

      Fast am Ende der Reise wird es Zeit darüber nachzudenken was an Bord passiert war. Ich dachte erst, dass die umgekehrte Route mehr Sinn ergibt: Ausruhen am Anfang und die Höhepunkte am Ende. Ich war im Nachhinein froh es wie gebucht abzufahren. Die letzten zwei Tage konnte ich ausschlafen, und einfach nur die vorbeifließende Landschaft anschauen.

      Mein erster Dank gilt der Crew. Ihr habt alles gegeben, damit ich mich an Bord wohl gefühlt hatte:

      Aria, Aubrey, Boitumelo, Bongani, Bongiwe, Busi, Cathren, Charmaine, Conny, Damon, Gert, Ishepo, Jegardi, Kangwelo,Lewis, Mara, Maria, Marilou, Martha, Mavis, Meriea, Michael, Nazeerah, Njabulo, Renolda, Steevens

      Ihr wart spitze. Und nicht zu vergessen unser Rektor und Historiker Nicholas Schofield, ein echter Profi in allen Belangen:


      Unser Historiker Nicholas Schofield und Zinni im Stolz von Afrika

      Natürlich auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außerhalb des Zuges, die sich um einen reibungslosen Ablauf der Reise inklusive meinem Vor- und Nachprogramm gekümmert hatten. Um mich bemüht hatten sich Karin und Querida in Südafrika und Heike aus Deutschland.

      Mein zweiter Dank gilt den Passagieren: Ihr habt alle mit dazu beigetragen, dass es eine wunderschöne Reise war:

      Alexis, Alma, Arthur, Bernhard, Burkhard, Carol, Catherine, Christie, Claude, Colin, Elizabeth, Eric, Fengli, Godfrey,Helen, Henry, Huiting, Jianhua, Jie, Jingjing, Joanna, Johanna, Johannes, Johnathan, Kim, Lesley, Li, Lisa, Lorraine,Lucille, Lynne, Marian, Mary, Mei, Michael, Neil, Nigel, Pamela, Ping, Qianyi, Richard, Robert, Shilu, Stefanie, Stephen,Tong, Xiang, Xiaorong, Yangmei, Yijia, Yilin, Yunyi, Zaiquan

      Ihr seid tolle Menschen, und es machte viel Spaß mit euch zusammen gewesen zu sein.

      Das wurde kräftig gefeiert bei der Abschiedsfete:


      Abschiedsfete im Stolz von Afrika

      Ich hatte wie von der Barfrau am Anfang der Reise vorhergesagt, viele neue Freunde gewonnen. Wie hier meine coolen Tottenham Hotspur Fans:


      You'll Never Walk Alone

      Die deutsche Stellung hielt mit mir ein nettes und sympathisches Ehepaar aus Nürnberg:


      Meine deutschen Freunde an Bord

      Die Gäste waren nicht ansatzweise zu vergleichen mit denen eines deutschsprachigen Kreuzfahrt-Schiffes. Benehmen, Rücksichtnahme und Gelassenheit waren an der Tagesordnung. Angeber und Rassisten wurden keine gesichtet. Essen, Trinken und Reisen waren die Tagesthemen, nicht Flüchtlinge, Krankheiten oder andere Stammtischparolen. Die Heimat der Gäste war bunt gemischt: Australien, China, Deutschland, Großbritannien, Irland, Südafrikaund der USA. Ich hatte an einem Tag mehr interessante Gespräche als sonst bei kompletten Reisen, und viel gelernt dabei. Glück ist auch immer das Glück der anderen. Im Zug wurde Glück geteilt.

      Vor allem waren die Mitreisenden auch sehr geschätzt von mir, weil ich vereinzelt zwanzig Jahre jünger geschätzt wurde. Was für nette Leute. Am liebsten hätte ich eine Lokalrunde ausgegeben, ergab nur keinen Sinn, weil alles inklusive war.

      Es gab ein Fragebogen zur Bewertung der Reise, der sehr positiv bei mir ausgefüllt wurde. Auf die Frage in der Bewertung: 'Würden Sie Rovos Rail wieder buchen' antwortete ich: 'The biggest YES in my live'.
      Ich wurde bei meiner Vorbereitung gewarnt, dass ich wegen Verspätungsgefahr keinen Flug am Ankunftstag buchen soll. Die Prognose traf zu, unsere Lokomotiven fielen mehrmals aus. So kurios wie manches bei dieser Reise: In der Nacht waren wir mit einer Elektrolok unterwegs .Irgendwo fehlte ein Stück (wahrscheinlich geklaute) Oberleitung, damit waren wir bewegungslos. Und zu dieser Zeit erst einmal was Neues mit Diesel-Antrieb zu finden war wahrscheinlich auch für das örtliche Personal eine Herausforderung.

      Als durchgesagt wurde, dass wir eine längere Verspätung haben werden, war es für mich die schönste in meinem Leben. Ich wollte den Zug nicht verlassen, es war ein Geschenk für mich länger im Zug bleiben zu können. Unpassend war im Restaurant dieser Hinweis zu meinen Mitreisenden,den die hatten einen Flug am selben Tag gebucht... Daran hatte ich nicht gedacht, aber im Nachhinein ging alles gut aus.

      Wir fuhren langsam immer näher in die Richtung Pretoria, was weder Menschen:


      Das Betreten der Gleise ist verboten

      noch Tiere:


      Das Betreten der Gleise ist verboten

      daran störte, dass es Verbotsschilder 'Das Betreten der Gleise ist verboten' gab.

      Mir wurde traurig bewusst, dass ich meinem neuen Lieblingszug (ok, hatte noch nie einen) langsam'Tata' (auf Deutsch 'Tschüss') sagen musste. Ich hatte keine Lust dazu, aber was wollte ich machen. Wir hatten letztendlich sechs Stunden Verspätung, aber irgendwann war Johannesburg fällig. Alle meine Transfer buchte ich über den stets zuverlässigen Tour Operator Ulysses Tours & Safaris. Auch in Pretoria stand mein Fahrer bereit, und brachte mich nach Johannesburg.

      'Stadt aus Blech mit goldenem Keller' wurde die Metropole früher genannt, heute kurz Joburg. Woher der Name Johannes kommt weiß kein Mensch. Hässlich, laut, geldorientiert, schwitzig, fiebrig und gefährlich sind noch die positiven Attribute der Weltstadt, sie hat die meisten ummauerten Grundstücke der Welt. Soweto am Abend unsicher zu machen hatte ich keine Laune dazu, und das Hotel Radisson Blu Gautrain in Sandton, das wohlhabendste Viertel in der City of Johannesburg gebucht.

      Dort vergnügte ich mich auf der schönen Terrasse:


      Mein Yoga heißt Bier


      Blick auf Sandton / Johannesburg

      Es war schade, dass zuerst der Service nicht mitspielte. Neue Gäste wurde bedient, ich wurde ignoriert. Meine Bedienung war anscheinend im Urlaub. Mit Wechsel des Sitzplatzes und Kellners klappte es dann. Am nächsten Morgen entschied ich mich kurzfristig,auf den geplanten Ausflug nach Soweto zu verzichten. Ich nutzte den Late Check Out Service des Hotels, machte auf faul, so in etwa wie auf der Arbeit, und blieb bis zur Fahrt zum Flughafen im Hotel. Das hatte ich mir wohl verdient.

      Nach dem schnellen Einchecken und einer unkomplizierten Ausreise erreichte mich später in der Airline-Lounge die Nachricht: 'Ihr Flug ist nun zum Einsteigen bereit'. Brav wie ich war machte ich mich auf Richtung Gate. Dort passierte nichts. Lange. Erst dann erreichten sechs Mitarbeiter der Crew das Gate. Das wunderte mich, so spät und nur ein Teil der Besatzung. Später hatte ich erfahren, dass der Bus der Crew defekt war, und Kleinbusse eingesetzt wurden. Der Fahrer von dem Fahrzeug mit dem Kapitän hatte sich verfahren. 'This Time For Africa'. Das Lied hatte ich nicht einmal auf der Reise gehört.

      Im Flugzeug wurde ich überrascht: Wann wird man schon einmal persönlich von der Stewardess begrüßt: 'Sie haben aber eine schöne Homepage'? Sie hatte mich anscheinend auf der Passagierliste entdeckt, und konnte sich an ein früheres Gespräch mit mir erinnern. Später hatte sie leider während dem Flug einen Unfall, und konnte den Service nicht weiter durchführen. Schade. Ich hoffe stark, dass die Wunde mittlerweile verheilt ist. Die Crew war so fit wie auf dem Hinflug, es war schön den Service genießen zu dürfen.

      Nach dem Abflug flogen über den Moloch Joburg:


      Video nach dem Start in Johannesburg, zehn Sekunden Laufzeit


      Gute Nacht Südafrika

      und ich sah mir den großartigen Oscar prämierten Film 'Green Book' an. Spielt in der USA nach einer wahren Begebung, passte aber auch zu meiner Reise.

      Die Landung wurde wie fast immer bei mir auf einen Film vom Hinflug ausgerichtet, der mir an Bord gefallen hatte und zum Thema passt. Dieses Mal der von Kerkelings Jugend, 'Der Junge muss an die frische Luft'. Am Ende sagt der kleine Harpe zeitgleich mit dem von mir zeitlich angepassten Takeoff: 'Ich bin der wolkenlose Himmel, ich bin wach'. Nicht nur er, auch ich. Landschaften, Tiere, Ruhe finden, ab und zu ein Eisberg und ausreichend Bier, mehr brauche ich nicht, um zufrieden zu sein. Gerne auch ab und zu etwas Regen oder Schnee, zwischendurch etwas zum Essen, und Veränderungen, kein Stillstand. Auch wenn ich dafür für den einen oder anderen als Randfigur, Eigenbrötler oder Ewig-Reisender einschätzt werde. Das ist mir egal. Ich liebe meine Welt, und werde sie freiwillig nie verlassen.


      Ich bin der wolkenlose Himmel, ich bin wach

      Danke für das Lesen, Gruß Gerald

      Über den Autor: Reisesüchtig. Was ist schon ein Löwenbiss oder ein demolierter Daumen.


      Zinni auf Reisen

      'Hier sitze ich, ich kann nicht anders'

      Frei nach Martin Luther

      The post was edited 1 time, last by Zinni ().

    • Schöner Bericht. :clab: :clab: :clab: Danke fürs zeigen. :wink4:

      Ich finde das gerade interessant, dass man mit dem Zug durch Namibia reisen kann. Kann mich gar nicht erinnern, das schon gehört zu haben. Einiges hat mich ein wenig an Australien erinnert, wo ich mit dem Indian Pacific unterwegs war.
      LG, Betty aka "DA - Immobilien-Maklerin"

      Bettys Homepage
    • gerade mal Überflogen - Deinen Bericht muss ich mir zu Hause mal intensiver anschauen.
      Rovos Rail ist schon was besonderes :!!
      sportlich entspannte Grüsse

      Markus

    • Hallo Zinni,
      das ist ja mal ein Bericht von einer etwas anderen Reise. Über eine Zugfahrt durch Südafrika und Namibia hatte ich schon mal einen Bericht im Fernsehen gesehen.

      Zinni wrote:

      die Tiere erschienen mir so artgerecht behandelt wie das in diesem Rahmen möglich ist. Manche sind in freier Wildbahn nicht überlebensfähig.
      Wieso sind die Tiere hier in freier Wildbahn nicht überlebensfähig? Nehmen sie dort verletzte Tiere auf und päppeln sie wieder hoch?

      Zinni wrote:

      Der Lion & Safari Park in der Provinz Gauteng ist es ein Naturschutzgebiet mit zahlreichen Tierarten und Safaritouren. Aber alles andere als Disneyland: In 2015 attackierte ein Löwe eine Frau durch ein offenstehendes Autofenster die wenig später an den Folgen der Bisswunden starb. Es waren Selbstfahrer, nicht umsonst werden bei geführten Touren Gitterwageneingesetzt, die einen hohen Schutz gegen Angriffe von Löwen bieten

      Zinni wrote:

      Im Ausflugsprogramm inbegriffen war ein Streicheln von jungen Löwen. Nach einer kurzen Einweisung waren die Kids auf uns zugelaufen, und wir konnten mit ihnen spielen und sie streicheln. Das war wirklich nett
      Auch da das Thema kürzlich in meinem Reisebericht diskutiert wurde, siehe hier bis weiter unten auf der Seite, muss ich hierzu noch mal was schreiben. Ist dir bewusst, was mit den kleinen Löwen, die in solchen Parks zum Streicheln gehalten werden, später passiert? Hier ist ein Artikel zu diesem Park anlässlich der durch einen Löwen getöteten Touristin. Und hier ist ein Artikel zum Thema "Canned Hunting". Da wundert man sich auch nicht mehr, wenn die Tourfahrzeuge in diesem Park im Gegensatz zu denen in Nationalparks und anderen privaten Parks mit Gittern versehen sind...

      Zinni wrote:

      Ich hatte an einem Tag mehr interessante Gespräche als sonst bei kompletten Reisen, und viel gelernt dabei
      Prima, dass es dir so gut gefallen hat, und dass du nette und interessante Mitreisende hattest.

      Viele Grüße
      Kata
    • Eine Zinni-Reise - da habe ich natürlich wieder mitgelesen.

      Das war ja mal eine ganz spezielle Reise, liest sich wirklich sehr spannend und interessant. Und super, dass Du so mega zufrieden mit der Reise warst, das ist klasse.

      Du hattest wirklich tolle Erlebniss, bis auf dieses hier:

      Zinni wrote:

      Im Ausflugsprogramm inbegriffen war ein Streicheln von jungen Löwen.
      was mir persönlich eigentlich gar nicht zusagt. Aber ich mag auch dieses Rochen-streicheln (oder küssen?) in der Karibik nicht oder mit-den-Schweinen-schwimmen. Und gerade bei Wildtieren bin ich extrem kritisch. Aber wenn es Dir gefallen hat, ist es ja gut, mein Ding wäre es aus Überzeugung nicht. Sorry für die leise Kritik, ich hoffe, du bist deswegen nicht sauer auf mich.

      Dennoch wars ein klasse Bericht, der mir wieder ausnehmend gut gefallen hat - und vor allem wars mal ein ganz anderer Zinni-Bericht.

      ;DaKe;;
    • Danke für die Kommentare! =)

      Zum Löwen Streicheln bitte aber auch das von mir im Bericht bereits geschriebene beachten:

      "
      Normal bin ich skeptisch bei so etwas. Mit Delfinen schwimmen gehen wollte ich in Kuba nicht, und in Thailand hatte ich Streicheln von Tigern abgelehnt, weil ich dabei an Drogen dachte, die den Tieren
      gegeben werden. Hier lies ich mich durch den Guide überzeugen. Ich denke den Löwen geht es relativ gut dort, die Anlage wirkte gepflegt, und die Tiere erschienen mir so artgerecht behandelt wie das in diesem Rahmen
      möglich ist. Manche sind in freier Wildbahn nicht überlebensfähig.
      "

      Ich hatte den Ausflug kurzfristig an der Rezeption im Hotel gebucht, und um eine Empfehlung gebeten was ich außerhalb der Städte unternehmen kann. Ich wusste gar nicht wo es hingeht und was dabei eingeschlossen war.

      Nach der Tour durch die Anlage dachte ich, dass wir zurückfahren, aber mein Guide führte mich zu dem Streicheln. Ich hatte nur sehr kurz Zeit nachzudenken, und spontan entschieden ohne zu wissen was auf mich zukommt. Mir wurde erzählt, dass die Löwen von kleinen Zoos etc. kommen, in der freien Wildbahn nicht überlebensfähig sind, hier artgerecht behandelt und wieder hoch gepäppelt werden. Zeit zu überlegen oder recherchieren hatte ich nicht.

      Wie geschrieben, in Thailand die Tiger streicheln hatte ich spontan abgelehnt bei den Umständen dort, hier sah es für mich auf die Schnelle plausibel aus. Den Besuch im Bericht nicht zu erwähnen wollte ich auch nicht. Mir hatte es dort gefallen, etwas Falsches oder Geheucheltes wollte ich nicht schreiben.

      Zurücknehmen kann ich den Besuch nicht, und bin natürlich niemanden sauer deswegen, wenn jemand das nicht gefällt. Vielleicht mal in meine Lage versetzen, im Nachhinein ist es einfach darüber zu richten.
    • Zinni wrote:

      Wie geschrieben, in Thailand die Tiger streicheln hatte ich spontan abgelehnt bei den Umständen dort, hier sah es für mich auf die Schnelle plausibel aus. Den Besuch im Bericht nicht zu erwähnen wollte ich auch nicht. Mir hatte es dort gefallen, etwas Falsches oder Geheucheltes wollte ich nicht schreiben.

      Zurücknehmen kann ich den Besuch nicht, und bin natürlich niemanden sauer deswegen, wenn jemand das nicht gefällt. Vielleicht mal in meine Lage versetzen, im Nachhinein ist es einfach darüber zu richten.
      Ich will nicht richten und danke für die Erklärung deiner Beweggründe.
      Ich will nur zum Nachdenken anregen, wenn jemand sich solcher Dinge nicht bewusst ist, damit man Nachahmen besser vermeiden kann.
      Also nichts für ungut, aber ich wollte zumindest darauf hinweisen, damit jeder für sich entscheiden kann, ob es OK ist oder nicht. Und manchmal trifft man einfach aus Unwissenheit die falsche Entscheidung.

      LG
      Katja
    • Danke für die Kommentare =)

      Ansonsten mal selbst nachdenken was man macht, zum Beispiel Fleisch essen, fliegen etc. Ich bin auf dem Weg zum Vegetarier, aber weit weg davon jemand anderen belehren zu wollen was er zu machen hat. Ein Löwenleben in dem Park ist eine Wonne gegen einem Huhn hier im Land, wobei ich gar nicht weiß ob ich lieber gleich geschreddert werden möchte oder nicht. Schade dass dieses Thema so läuft. Gerade in einem USA Forum fliegen ja die meisten, auch da kännte man ansetzen und nachdenken. Ich bin raus. Und warum jemand bei 'Wildtieren extrem kritisch' ist und bei anderen nicht erschliest sich mir nicht.

      The post was edited 1 time, last by Zinni ().

    • Zinni wrote:

      Zum Löwen Streicheln bitte aber auch das von mir im Bericht bereits geschriebene beachten:

      "
      Normal bin ich skeptisch bei so etwas. Mit Delfinen schwimmen gehen wollte ich in Kuba nicht, und in Thailand hatte ich Streicheln von Tigern abgelehnt, weil ich dabei an Drogen dachte, die den Tieren
      gegeben werden. Hier lies ich mich durch den Guide überzeugen. Ich denke den Löwen geht es relativ gut dort, die Anlage wirkte gepflegt, und die Tiere erschienen mir so artgerecht behandelt wie das in diesem Rahmen
      möglich ist. Manche sind in freier Wildbahn nicht überlebensfähig.
      Die Löwen landen idR auf Jagdfarmen, wenn sie nicht mehr "gebraucht" werden. Wollte ich nur mal anmerken. Dort darf man sie dann erlegen, was so ca ab 8000 € aufwärts kostet. Einen zahmen Löwen zu erschießen ist in etwa so, als ob man einen Welpen erschießen würde.
      Es macht mich unendlich traurig, wenn Menschen sowas unterstützen.
      Von Hand aufgezogene Löwen lassen sich nicht auswildern.
      Viele Grüße
      Nadine
    • Na, ich glaub der Zinni geht nie wieder Löwen streicheln, so wie ich das verstehe, wollte er sowas ja auch gar nicht unterstützen. Und wäre doch doof, wenn das nun das Einzige ist, was von der Reise hängen bleibt.

      Und nur noch ein Gedankenanstoss bzgl. der Löwen:
      Wisst ihre wieviele Menschen mit sowas über die Runden gebracht werden, Kinder zur Schule gehen können und Prostitution verhindert wird?
      Abgesehen davon ist Nutztierhaltung nicht wesentlich anders, nur die Verwertung ist eben aufs Fleisch ausgelegt.
      Marc.

    • Skuromis wrote:

      Wisst ihre wieviele Menschen mit sowas über die Runden gebracht werden, Kinder zur Schule gehen können und Prostitution verhindert wird?
      Abgesehen davon ist Nutztierhaltung nicht wesentlich anders, nur die Verwertung ist eben aufs Fleisch ausgelegt.
      Ja, das sind immer die Gegenargumente, und es mag auch was dran sein.
      Es gibt auf der Welt natürlich vieles, was im Argen liegt, und wenn man z.B. Fleisch aus Massentierhaltung kauft, ist das auch keine gute Sache.
      Wenn aber den Touristen vorgegaukelt wird, dass man einfach mal die niedlichen kleinen Löwen streicheln und mit ihnen für ein Foto posieren kann, ohne dass die Leute über die Zukunft der Tiere und das Canned Hunting aufgeklärt werden, ist das auch nicht gut. Und müssen reiche Amerikaner nach Südafrika kommen, die fast wehrlosen Tiere abknallen und danach für Fotos mit der Knarre breit grinsend neben dem erlegten Tier posieren? Das ist mir unverständlich, wie solche Leute überhaupt Vergnügen daran finden können. Aber so sind manche Menschen. Trotzdem würde ich das nicht unterstützen wollen, wenn ich von diesen Praktiken weiß.

      Tut mir leid, wenn Zinnis Bericht jetzt auf dieses Thema fokussiert wird, aber er hatte ja sogar noch eine Empfehlung für den Park abgegeben...

      Viele Grüße
      Katja
    • Katja wrote:

      Und müssen reiche Amerikaner nach Südafrika kommen, die fast wehrlosen Tiere abknallen und danach für Fotos mit der Knarre neben dem erlegten Tier posieren?
      Nein müssen sie nicht, man muss da nicht einmal hin fliegen. Man kann es halt.

      Katja wrote:

      aber er hatte ja sogar noch eine Empfehlung für den Park abgegeben...
      Nö, das Wort Empfehlung kommt hier vor:

      Zinni wrote:

      . Den Tour Operator 'African Eagle' kann ich empfehlen

      zu dem Park nur:
      Wenn man für die National Parks keine Zeit hat und trotzdem Tiere sehen mag ist man in dem Park gut aufgehoben.
    • Katja wrote:

      , und wenn man z.B. Fleisch aus Massentierhaltung kauft, i
      Nein, Tierhaltung, das ist auch ohne Masse so, erst fürsorglich drum kümmern und dann wird Georg Leberwurst.

      Katja wrote:

      Und müssen reiche Amerikaner nach Südafrika kommen, die fast wehrlosen Tiere abknallen und danach für Fotos mit der Knarre breit grinsend neben dem erlegten Tier posieren?
      Nein. Aber dass sie es tun ist ja auch der einzige Grund, warum es sowas gibt. Es hat aber wie so vieles auch eine 2.e Seite, die man nicht vergessen sollte.

      Katja wrote:

      Das ist mir unverständlich, wie solche Leute überhaupt Vergnügen daran finden können.
      Mir ehrlich gesagt auch, ich würd sowas nicht gut finden. Aber die sind ja nicht ich.
      Marc.

    • Da ich jetzt doch ein wenig fassungslos bin, wie man auf die Idee kommen kann, Fleisch essen und Trophäenjagd von bedrohten Tierarten gleichzusetzen (und mit dem allseits so beliebten "Löwenstreicheln" unterstützt man wissend oder unwissend genau das), ziehe ich mich aus der Diskussion zurück.
      Viele Grüße
      Nadine
    • Katja wrote:

      Wenn aber den Touristen vorgegaukelt wird, dass
      .....
      Ich glaube jeder hat irgendwo Recht.
      Aber wir haben auch in Mallorca geglaubt es wäre alles gut. Riesige Hotelklötze, Sauforgien, Kriminalität, Flugchaos in und um die Insel. Um nur ein paar von den Nebeneinflüssen aufzuzählen.
      Genau genommen ist der heutige Tourismus in jeder Form schädlich. Wie man zur Zeit in den Alpenländern sieht, von wegen Brenner und Landstrassennutzung.
      Aber auch abseits vom Gedränge der Strassen in den Bergen wird es eigentlich seit Jahren immer schlimmer. Die Täler haben jahrelang gebaut wie verrückt, immer mehr Skischaukeln. Vor 25 Jahren hat sich noch keiner (ausser Reinhold Messner) darüber beschwert. Zu Recht wie ich finde. Denn viele ehemalige BERGHÜTTEN sind zu riesigen Selbstbedienungsrestaurants geworden. Spontan fällt mir die Plattkoflhütte bei der Seiseralm ein. Und dieTierser Alpe. Früher kleine Hüttchen wo man mit 20 Leuten schon eng zusammen sass, heute sind das Paläste.
      Und wenn ich eine Afrikatour machen würde, und mir sagt der Guide "wir fahren kleine Löwen streicheln" würde ich mir bestimmt auch nicht direkt Gedanken machen. Hinterher ist man immer schlauer.
      Und den CO2 Ausstoss will jeder verhindern solange es ihn nicht selber trifft. Ich kenne hier in unserem 800 Seelenort einige Leute die werden richtig aggresiv wenn ich das Wort Tempolimit auf Autobahnen nur anspreche. Als Antwort kommt dann ..als ob die Tonne CO2 die ich im Jahr ausstosse ....!
      Und Zoos sind auf aller Welt naturtechnisch fast immer nur zur Belustigung der Menschen da, und trotzdem war jeder schon mal in einem. Und USA Flüge sind... na ja!
      Also, tief durchatmen und sich wieder freuen.
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