Route 66 - Amerikas Main Street - If you ever plan to motor west

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    • Spencer, Carthage



      Spencer, Carthage - Clark Gable Was Here


      Wir verlassen Paris Springs und fahren weiter westwärts bis nach Spencer. Nach einigen Minuten überqueren wir den Turnback Creek auf einer sogenannten Pony Bridge aus dem Jahr 1923.




      Wir sind immer noch auf der 266, die sich nach der Kreuzung mit der 96 als Missouri N fortsetzt. Achtung: hier unbedingt auf die N fahren, also geradeaus, nicht auf die 96. Denn wir wollen ja ein weiteres Highlight nicht verpassen. Dies ist wieder so ein kurzes Stück eines alten 66 Alignments. An der nächsten Ecke geht‘s recht ab in die 2062, es folgt eine weitere kleine Stahlbrücke (1926) über den Johnson Creek und dann stehen wir vor einer weiteren restaurierten Tankstelle, diesmal eine Philipps 66.













      Spencer selbst ist längst eine Ghost Town, wenn man so will. Wobei Town kann man nicht wirklich dazu sagen, es steht nur eine kleine Reihe verlassener Gebäude an der Straße, u.a ein aufgegebener Laden für Farmer's Bedarf. Aber es gibt die Tankstelle, die unbedingt einen Stopp wert ist. Verantwortlich für die Restaurierung sind die gegenwärtigen Besitzer, ein Ehepaar aus Salina, Kansas, namens Francis und Marie Lynn Ryan, die die Schilder, Zapfsäulen und andere Memorabilia aus ihrer eigenen Privatsammlung beigesteuert haben.
















      Die 2062 mündet nach ein paar hundert Metern wieder in die 96, aber auch hier sollte man die Hauptstraße kreuzen und auf der nördlichen Frontage Road namens 2059 weiter nach Westen fahren, denn auch diese ist ein altes Stück der 66. Es ist allerdings nur zwei Meilen lang, dann geht‘s endgültig auf die 96, die jetzt schnurgerade nach Westen verläuft. Man passiert eine Reihe von winzigen Ortschaften: Heatonville, Albatross, Phelps, Plew und Avilla.

      Die nächste größere Stadt ist Carthage, unser heutiges Ziel. 15.000 Einwohner zählt America‘s Maple Leaf City, wie sie sich selbst nennt. Die Stadt, die 1842 gegründet wird, hat eine wechselvolle Geschichte auf die wir hier nicht groß eingehen wollen. Interessant vielleicht, dass der Ort gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Millionäre in den USA aufzuweisen hatte. Den Reichtum verdankt Carthage den Blei und Zinkminen in dieser Gegend. Außerdem gibt es enorme Vorkommen an grauem Marmor, die ebenfalls zur Blüte des Städtchens beitragen. Die Route 66 bringt dann die übliche Entwicklung: Restaurants, Tankstellen, Motels, Servicebetriebe aller Art.



      Carthage ist die Heimat eines der letzten, einstmals so populären Autokinos an der Route 66. Bitte unbedingt hinfahren und anschauen. Die Adresse: 17231 Old 66 Blvd. Euer Navi wird es leicht finden. Normalerweise prangt auf der großen weißen Fläche, auf deren Rückseite die Leinwand angebracht ist, in roter Schrift: 66 DRIVE-IN THEATRE. Als wir dort sind, steht da gar nix. Wir erfahren, dass die Schrift restauriert wird. Schade. Also gibt‘s Fotos ohne Schrift, die hat auch nicht jeder. Das Kino wird 2004 von den jetzigen Besitzern, Mark und Dixie Goodman erworben und wunderschön in Schuss gebracht. Wer zwischen April und September durch Carthage kommt, sollte einen Kinobesuch erwägen. Mit sieben Dollar pro Person seid ihr dabei.








      Und wer abends in Kino geht, muss ja auch irgendwo übernachten. Und was liegt da näher, als ein absolut originales Route 66 Motel? Das Boots Court ist einfach nur unique.







      Wir haben das Glück, das letzte verfügbare Zimmer zu bekommen. Und das ist der Clark Gable Room, denn hier hat der Hollywood Star auch mal übernachtet, wie auch noch anderswo an der 66 - aber darauf kommen wir dann später zurück.






      So schnell wird aus einem Vacancy ein NO Vacancy







      Der kleine Gag am Rande: In jedem Zimmer steht ein altes 1940er Jahre Radio und spielt tatsächlich auch die Musik aus dieser Zeit. Denn Carthage verfügt über einen entsprechenden Oldie Sender, auf den die Radios eingestellt sind. Sie sind immer angeschaltet, so dass der Gast schon beim Öffnen der Zimmertür von Patsy Kline oder Frankie Boy begrüßt wird. Das ganze Surrounding macht es einem sehr leicht, den Zeitsprung durch 60 Jahre zurück zu vollziehen und schon wird aus dem modernen Ford oder Jeep vor der Tür ein Rambler oder Hudson oder Studebaker.












      Unsere Boots Court Geschichte könnt ihr hier nachlesen. Sie haben nur wenige Zimmer, bei unserem Besuch waren es sechs, inzwischen sind es sieben, also ist eine Vorausbuchung (ein oder zwei Tage) sicher zu empfehlen.









      Am nächsten Morgen werden wir von Debbie, der guten Seele des Boots, nach einem längeren Schwätzchen freundlich verabschiedet. Drive safely and come again. We did.




      Damit ist unser kurze Fahrt heute schon wieder beendet. Und immer noch sind wir in Missouri ...

      The post was edited 3 times, last by Ellen & Udo ().

    • Ellen & Udo wrote:

      es folgt eine weitere kleine Stahlbrücke (1926) über den Johnson Creek und dann stehen wir vor einer weiteren restaurierten Tankstelle, diesmal eine Philipps 66.
      Die sind immer so hübsch :!!

      Ellen & Udo wrote:

      Carthage ist die Heimat eines der letzten, einstmals so populären Autokinos an der Route 66
      Ach,

      ich hab mich schon gefragt, was für ein " Trumm" ihr da fotografiert habt ;haha_ ;haha_

      Ellen & Udo wrote:

      als ein absolut originales Route 66 Motel? Das Boots Court ist einfach nur „unique“.
      Putzig ;;NiCKi;:

      Ellen & Udo wrote:

      Der kleine Gag am Rande: In jedem Zimmer steht ein altes 40er Jahre Radio und spielt tatsächlich auch die Musik aus dieser Zeit. Das ganze „Surrounding“ macht es einem sehr leicht, den Zeitsprung durch 60 Jahre zurück zu vollziehen
      Das ist eine nette Idee und die Musik hätte mir auch gefallen ;;NiCKi;: ;;NiCKi;:
      liebe Grüße

      Ina

    • Ina wrote:

      Zitat von »Ellen & Udo«



      es folgt eine weitere kleine Stahlbrücke (1926) über den Johnson Creek und dann stehen wir vor einer weiteren restaurierten Tankstelle, diesmal eine Philipps 66.
      Die sind immer so hübsch :!!
      Die 66 Brücken sind oft wirklich kleine Schmuckstücke. Inzwischen hat Jim Ross, ein Kenner und Fotograf der 66, ein Buch darüber geschrieben: Route 66 Crossings. Hier:
      amazon.com/Route-66-Crossings-Historic-Bridges/dp/0806151994

      Ina wrote:

      Zitat von »Ellen & Udo«



      Carthage ist die Heimat eines der letzten, einstmals so populären Autokinos an der Route 66
      Ach,

      Ina wrote:

      ich hab mich schon gefragt, was für ein " Trumm" ihr da fotografiert habt ;haha_ ;haha_
      :) Ungewohnt für unsere Augen ... ;,cOOlMan;: . Wir hatten schon mal eines, you remember? Dies hier ist das letzte, noch in Betrieb befindliche auf unserer Reise.

      Ina wrote:

      Zitat von »Ellen & Udo«



      als ein absolut originales Route 66 Motel? Das Boots Court ist einfach nur „unique“.
      Putzig ;;NiCKi;:
      Yep, und eben absolut "original". A MUST see and stay.

      Ina wrote:

      Zitat von »Ellen & Udo«



      Der kleine Gag am Rande: In jedem Zimmer steht ein altes 40er Jahre Radio und spielt tatsächlich auch die Musik aus dieser Zeit. Das ganze „Surrounding“ macht es einem sehr leicht, den Zeitsprung durch 60 Jahre zurück zu vollziehen
      Das ist eine nette Idee und die Musik hätte mir auch gefallen ;;NiCKi;: ;;NiCKi;:
      Glaube ich gerne... die hatte ja auch was. ;,cOOlMan;:
    • Carterville, Joplin


      Carterville, Joplin - Entering Tornado Alley

      Wir verlassen das Boots Court in Carthage, wenden uns für zwei Blocks auf der Garrison nach Süden, biegen dann links ab auf die Oak Street, der wir ein Stück folgen bis zur Überquerung der US71/I-49. Kurz danach geht‘s links auf den Old 66 Blvd. Dies ist die exakte Straßenführung der Route 66 in Carthage. Es geht noch einmal vorbei am 66 Drive-In-Theatre und wir erreichen Brooklyn Heights. Hier geht‘s über die Kreuzung mit der 171 und wir kommen nach Carterville. An der Pine Street bitte scharf links (über die Bahnschienen) bis zur Main Street in Downtown. An der Ecke befindet sich das 66 Carterville Cafe.






      Ein Stück weiter ein Mural, das die Carterville Comets an einer Backsteinwand verewigt, jedenfalls so lange nix abblättert oder das Gebäude platt gemacht wird. Gleich hinter dem Comet‘s Park steht ein schöner alter und verrosteter Abschleppwagen vor Bulger Motor Company. Daneben hängt ein Route 66 Wegweiser mit den Entfernungsangaben nach Chicago und Santa Monica an der Wand der Werkstatthalle.












      Wir nähern uns langsam unserem Zielort Joplin. Zuerst führt uns die 66 aber noch durch Webb City. Dort an der Ecke Broadway/Madison Street biegen wir links ab nach Süden bis zur Zora Street. Hier rechts ab und ein paar Blocks weiter wieder links in die Florida. Weitere fünf Blocks und dann rechts in die Utica Street. War das jetzt kompliziert? Man kann auch einfach den weiß-blauen Schildern folgen.




      An der Utica steht ein kleines Häuschen, das einmal eine 1930er Shamrock - Phillips 66 Tankstelle war. Sehr viel später zogen Friseure dort ein, der letzte war Dale Holly. Das Schild steht noch vor dem Haus. Das Fenster ist mit einigen historischen Zeitungsausschnitten zur Geschichte dieses Gebäudes beklebt, das sich inzwischen stolz als Joplin Historic Landmark bezeichnen darf.








      Weiter geht‘s mit der vetrackten Straßenführung: Vom Barbershop auf die Euclid, dann links auf die St. Louis und nach ein paar Blocks wieder rechts auf den Broadway, der uns zur Main Street in Joplin führt. Ab jetzt wird‘s dann leichter.






      Die Penny Pinchers finden sich auf dem oben genannten Stück.

      Das Auto lässt man am besten auf dem Parkplatz gegenüber der City Hall an der Main Street stehen. Leicht zu erkennen an dem Mural mit der roten Corvette.











      Rein in die City Hall, wo wir uns nach Patrick Tuttle erkundigen, dem Director of Joplin Convention and Visitors Bureau. Seinen Namen hatten wir von Ron Hart, dem Chairman der Route 66 Chamber of Commerce in Carthage erhalten. Patrick ist anwesend, begrüßt uns sehr herzlich, es werden auch gleich ein paar Erinnerungsfotos gemacht.





      Man freut sich über Route 66 Besuch in Joplin. Patrick führt uns durch das ganze Haus, in dem sich einige Ausstellungen befinden, u.a. Route 66 Gemälde.







      Die Krönung ist der Sitzungssaal des hiesigen Stadtrats, dem Joplin City Council. Wie man sieht, hat Joplin für zwei Minuten einen neuen Mayor samt Assistentin. Sogar die Fahne war vor uns nicht sicher.







      Alles kein Problem, im Gegenteil, Patrick erklärt und zeigt uns alles. Und natürlich erzählt er uns die Geschichte, die Joplin weltweit zu trauriger Berühmtheit gemacht hat: Der Tornado vom 22. Mai 2011. Damals wird die Stadt von einem der verheerendsten Twister der amerikanischen Geschichte heimgesucht. Fast 1,6 km misst der Schlauch im Durchmesser. Er macht 25% der Stadt dem Erdboden gleich, 162 Menschen kommen ums Leben. Patrick zeigt uns Fotos von damals, die er selbst aufgenommen hat. Kein schöner Anblick.

      Wenn Ihr Euch selbst ein Bild machen wollt, wie gewaltig und zerstörerisch der Tornado war. Die Folgen sind heute noch sichtbar. Das zerstörte Gebiet im Süden der Stadt ist zwar aufgeräumt, aber keine Bäume, keine Häuser, es sieht eher parkähnlich aus, platt irgendwie. Über die Twisters in der Tornado Alley, in der wir uns ja hier befinden, später mehr, wenn wir Chandler/Oklahoma erreichen.






      Sehenswert ist das I am Joplin Mural an einem Gebäude gegenüber der Seitenfront der City Hall. Das Mural zeigt über 300 Fotos von Bürgern der Stadt, die eine Tafel mit I am ... in den Händen halten. Geschaffen von Art Feeds, einer Non-Profit Organisation, die sich um die Kinder der Stadt kümmert und versucht deren Ängste und Stress, die im Zusammenhang mit dem Tornado stehen, abzubauen. Innerhalb von drei Tagen sind die benötigten Mittel für das Mural durch Spenden zusammen gekommen.







      ]





      An der Main Street finden sich noch einige hübsche Neons und andere Route 66 Relikte, die man sich am besten zu Fuß erläuft.















      Joplin ist die letzte Station der Mother Road in Missouri. Wir verlassen die Stadt auf der 7th Street - das ist die 66 - und folgen dieser für etwa fünf Meilen. Kurz hinter der Malange Road geht‘s rechts ab (hier steht ein Schild Old 66 Next Right) auf den Old 66 Boulevard, der uns nach Kansas bringt.

      The post was edited 2 times, last by Ellen & Udo ().

    • Ellen & Udo wrote:

      Rein in die City Hall, wo wir uns nach Patrick Tuttle erkundigen, dem „Director of Joplin Convention and Visitors Bureau“.
      Ich staune immer wieder, wie schnell und unkompliziert ihr zu privaten Führungen kommt ;,cOOlMan;:

      Ellen & Udo wrote:

      Damals wird die Stadt von einem der verheerendsten Twister der amerikanischen Geschichte heimgesucht. Fast 1,6 km misst der „Schlauch“ im Durchmesser. Er macht 25% der Stadt dem Erdboden gleich, 162 Menschen kommen ums Leben. Patrick zeigt uns Fotos von damals, die er selbst aufgenommen hat. Kein schöner Anblick.
      :EEK:

      Jetzt erinnere ich mich auch wieder an diese Katastrophe :(


      Netter kleiner Ort ;;NiCKi;:
      liebe Grüße

      Ina

    • Ina wrote:

      Ich staune immer wieder, wie schnell und unkompliziert ihr zu privaten Führungen kommt ;,cOOlMan;:
      Wir waren auch erstaunt, wie leicht das manchmal ging. Die Leute sind sehr aufgeschlossen an der 66. Und wenn es um IHRE Straße geht, haben sie immer ein offenes Ohr und sind sehr hilfsbereit. Es folgen noch mehr Beispiele. :)

      Ina wrote:

      Jetzt erinnere ich mich auch wieder an diese Katastrophe
      Ja, das war schlimm. Und wenn man selbst auch nur in der Nähe eines Tornados war, kriegt man gehörigen Respekt davor. Ab einem bestimmten Zeitpunkt haben wir bei unserer 66 Reise im Mai jedenfalls sehr genau den Himmel beobachtet. Mai ist Tornado Saison im Mittleren Westen. You will see.... ;,cOOlMan;:
    • Galena, Kansas



      Galena - Once A Weird Place

      Ganze 13 Meilen lang ist die Route 66 in Kansas. Klein, aber fein, könnte man sagen, zumindest, was die Originalität betrifft. Der Old 66 Boulevard, auf den wir ja gerade abgebogen sind, ist eine einfache, längst in die Jahre gekommene Landstraße. Ohne Mittel-und Seitenmarkierung, grauer Asphalt, gezeichnet von den Reifenspuren unzähliger Vehikel. Es gibt übrigens keine Interstate in Kansas. Normale Highways, Landstraßen eben, so wie die Route 66 es einmal war und hier in Kansas immer noch ist. Typisch auch die Stateline: Nur ein unauffälliger weißer Strich auf der der Straße, der inzwischen verblasst sein dürfte. Kein Schild, nichts. Nicht einmal ein Welcome to Kansas oder Welcome to the Sunflower State. Ersatzweise steht ein Welcome to Galena - A Happy Place am Straßenrand. Happy? Heutzutage vielleicht ...




      Dieses Stück ist ein original 1926 Alignment. Deshalb heißt dieser kurze Abschnitt OLD 66 Blvd. Klar, es gibt auch eine neuere Version und die führt an dem Abzweig auf den Old 66 Blvd vorbei immer der 7th Street entlang. Beide Strecken führen uns also in das Städtchen Galena. Bitte unbedingt die alte Strecke nehmen! Erster Stopp in Kansas ist aber die State Line Bar auf der rechten Seite mit dem rot-weißen Budweiser Schild davor.












      Ab hier heißt die Straße Front Street. Sie trifft auf eine Bahnlinie, führt an einem ziemlich trostlosen und doch irgendwie pittoresken Gelände vorbei, überquert die Schienen mittels eines Viadukts, bevor sie die Main Street erreicht. Hier bitte scharf links abbiegen.














      Cut the Corner sagen die Amerikaner. Man schneidet sozusagen eine kleine Ecke von Kansas ab, wenn man die 66 entlang fährt. Und dann kann man Galena gar nicht vermeiden. Sollte man auch nicht. Muss man gesehen haben, dieses kleine Nest in der recht tristen Umgebung des südöstlichen Kansas. Dabei gibt‘s gar nicht viel zu sehen, nichts Besonderes zumindest. Den ollen Charme einer alten Bergbaustadt, den kann man mehr fühlen, als sehen. Vielleicht macht es genau das aus. Ein bisschen Gruseln kann man sich auch dort. Hier ist Blut geflossen. Und man kann sich das gut vorstellen, vorausgesetzt, man stellt seine eigene kleine Zeitmaschine auf die 1890er Jahre ein. Oder noch besser auf 1877, denn dann kann man die Stadtgründung miterleben.






      Damals betreibt ein deutscher Siedler namens Egidius Moll Ackerbau und Viehzucht in dieser Gegend. Irgendwer findet auf seinem Land sogenanntes Galenit, ein Bleierz. Lange vor dem alten Egidius hatten die Indianer schon spitz gekriegt, dass hier wertvolles Rohmaterial für ihre Schießprügel zu finden war. Blei für die Bullets. Manchmal haben sie richtige Brocken davon aus dem Boden geklaubt. Dann kommt 1877. Ein paar junge Leute finden ein paar schwere Steine, die offensichtlich Blei enthalten. Egidius verschwendet keine Zeit und kontaktiert Minengesellschaften in Joplin, Missouri. Gleich um die Ecke. Man macht sich auf die Suche. Erfolgreich. Immer mehr Klumpen des wertvollen Erzes werden entdeckt.

      Zwei rivalisierende Minengesellschaften sind involviert, jede gründet mal schnell eine Stadt. Empire City, nördlich des Short Creek und Galena, südlich davon. Benannt wird die Stadt nach eben jenem Bleierz, dem Galenit. Keine zwei Monate dauert es, bis die Einwohnerzahl des gerade erst gegründeten Städtchens die 3000 übersteigt. Kein Goldrausch, aber ein Bleirausch, wenn es so was gibt. Geschäfte entstehen, Kneipen, Saloons, ein Post Office, eine Zeitung, der Galena Miner, das übliche. Bordelle auch, wie überall, wo einsame Minenarbeiter zugange sind. Schließlich braucht Mann Abwechslung nach der harten Arbeit in den Bleiminen. Eigentlich sind es ja nur große Löcher im Boden. Ein paar Monate später hat sich die Einwohnerzahl auf mehr als 10.000 erhöht, nachdem auch noch große Zinkvorkommen entdeckt worden waren.

      Empire City und Galena verfallen in einen regelrechten Wettbewerb, welche Stadt denn nun die bessere Location für‘s Bleibuddeln sei. Galena hat die besseren Chancen, denn die Vorkommen liegen näher am Stadtgebiet, als in Empire City. Also strömen die Leute von Norden nach Süden, Empire hat ein Problem. Was tun? Empire‘s Stadtrat beschließt, einen 1 1/2 Meilen langen Wall an der Südfront zu errichten, um den Verkehr zwischen den beiden Orten zu unterbrechen oder wenigstens zu erschweren. Unter Polizeischutz wird das Vorhaben ausgeführt. Eine kleine Lücke muss noch gefüllt werden, als Galena zum Gegenangriff schreitet und mit 50 seiner Bürger den Wall angreift und zum großen Teil wieder nieder reißt. Es soll nicht allzuviel Blut geflossen sein bei dieser Provinzposse. Vorläufig nicht. Aber der Krieg der beiden Städte geht weiter. Jahrelang befehden sich die Bewohner, hauptsächlich an der Red Hot Street, wie die einzige Verbindung passenderweise genannt wird. Angeblich schlafen Ärzte und Bestattungsunternehmer tagsüber und arbeiten nachts, weil da mehr zu tun ist. Diese Szenerie bildet den Hintergrund für weiteres Ungemach in den Städten. Die Anzahl der Saloons und Spielhöllen, der Bordelle wird größer und größer. Es zieht so manchen Outlaw, manchen Revolverhelden und andere dunkle Gestalten in die Stadt. Trotzdem entwickelt sich auch Reichtum. Wer Glück hatte mit dem Bleisuchen steckt sein neu gewonnenes Vermögen in den Bau von Häusern, die richtig was hermachen im Vergleich zu den armseligen, schnell zusammen gezimmerten Hütten und Blockhäusern der weniger Erfolgreichen.

      Die Eisenbahn darf natürlich nicht fehlen. Sie erreicht Galena schon im Jahr 1879 in Form der Kansas City, Fort Scott & Gulf Railroad Company. Die Zahl der Zeitungen verdreifacht sich, ebenso die der Kirchen und Schulgebäude. In den späten 1890er Jahren - dort sind wir inzwischen mit unserer Zeitmaschine angekommen - zählt die Stadt zwei Banken, 36 Lebensmittelgeschäfte und vier Dutzend andere Kramläden. In nicht weniger als 265 Minen wird das Blei aus der Erde geholt. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts steigt die Zahl der Minengesellschaften auf über 30. Die Erde muss so was von bleihaltig sein. Die Luft ist es manchmal auch in jenen Tagen.

      Und dann ist da noch eine mörderische Geschichte, die sich dereinst in Galena zutrug. Dazu braucht es ein Bordell, eine Dame namens Ma Steffelback, ihre Söhne und einige Dutzend Minenarbeiter, die ihren Lohn in eben jenem Etablissement unter die Mädels bringen wollen. Mrs. Steffelback vervielfacht ihren Verdienst, indem sie die nichts ahnende, und ob der sportlichen Betätigung wahrscheinlich ziemlich ermattete männliche Kundschaft kurzerhand von ihren Söhnen in eine bessere Welt befördern lässt. Bei angeblich mehr als 30 Opfern dieses Verfahrens sei ein kleines Vermögen erarbeitet worden. Die nahen Minenschächte werden als letzte Ruhestätten der so hingemachten Kunden auserkoren. Das geht einige Jahre lang gut, bis es Krach mit einer von Mrs. Steffelbacks Angestellten gibt, die flugs zum Sheriff rennt und die grauslichen Taten ihrer Chefin zum Besten gibt. Das war im Jahr 1897, die Lady wird für den Rest ihres Lebens hinter Gitter gesteckt. 1909 scheidet sie dahin, nimmt aber das Versteck der Beute mit ins Grab. Und so sucht heute noch der ein oder andere optimistische Schatzgräber nach den vermissten Goldmünzen. Das Bordell der Ma Steffelback steht gleich am Ortseingang von Galena, wurde kürzlich renoviert und kann auch besichtigt werden. Inzwischen gibt es unter ortsansässigen Historikern aber Zweifel, ob die Untaten der Dame und ihrer mörderischen Söhne tatsächlich in DIESEM Haus stattfanden oder doch eher im Wohnhaus der Familie, das heute nicht mehr existiert. Der Phantasie sind also kaum Grenzen gesetzt. Mag sich jeder Besucher seine eigenen Gedanken machen. Und sicher spukt es auch dort - die Location ist für ein Haunted House bestens geeignet.




      Das graue Haus hinten rechts ist Ma Steffelback's Etablissement

      1910 wird endlich der Konflikt der beiden Städte beendet, Empire City wird per Gerichtsbeschluss zum neuen Stadtteil Galenas. Die Bevölkerung ist auf gut 6000 geschrumpft - so mancher Glücksritter dürfte die Stadt verlassen haben, Nachschub bleibt vorerst einmal aus. Immer noch genug aber, um auch noch ein Opernhaus zu bauen. Man stelle sich Aida oder Die Zauberflöte im Wilden Mittleren Westen vor - das hat doch was. Wobei Opera House im damaligen amerikanischen Sinne eine etwas andere Bedeutung hatte.


      1926 geht‘s dann wieder bergauf mit Galena, denn die Route 66 - und damit sind wir endlich wieder beim Thema - führt durch die Stadt. Tankstellen, Motels, Werkstätten, Restaurants ... alles genau wie auch andernorts entlang der Straße.







      Zehn Jahre lang geht es ruhiger zu in Galena, aber dann knallt‘s noch mal gewaltig. Es gibt Streit zwischen den Minenarbeitern und den Bossen der Mining Companies. Die Arbeiter sind inzwischen organisiert und die Mine, Mills and Smelter Workers International Union bläst zum Streik. Was die Bosse nicht sehr beeindruckt, ersetzen sie doch die streikenden Arbeiter durch andere, nicht organisierte Kräfte.

      Und damit beginnt in den 1930er Jahren der Krieg der Minenarbeiter. Die Organisierten, nicht faul, blockieren die Route 66, bewerfen die vorbei fahrenden Vehikel mit Steinen, auch so manche Kugel fliegt mal wieder durch die Luft. Besonders abgesehen haben sie es natürlich auf die Fahrzeuge, die die Streikbrecher zu den Minen fahren. Der Verkehr auf der 66 muss umgeleitet werden, für Jahre sogar, denn die Scharmützel dauern bis ins Jahr 1937 an. Dann kommt es zu einer größeren Konfrontation zwischen den streikenden und damit arbeitslosen Minenarbeitern und den Streikbrechern, die inzwischen in ihrem eigenen Club, der Blue Card Union organisiert sind. Neun Menschen werden niedergeschossen, die Versammlungshalle der Gewerkschaftler weitgehend zerstört und eine erkleckliche Anzahl der Streitsüchtigen beider Seiten landet im Gefängnis, nachdem die lokalen Ordnungshüter unter Anwendung des vor Jahren über Galena verhängten Kriegsrechts für Ruhe gesorgt hatten.











      Bis in die 1970er Jahre existieren die Blei-und Zinkminen in Galena. Dann ist Schluss, weil nichts mehr zu holen ist. Die Bevölkerung der Stadt geht immer weiter zurück. Daran ändert auch die Route 66 nichts. Zusätzlich treten Umweltprobleme auf, denn aus den Minen dringen Giftstoffe ins Grundwasser. 1983 beginnt das Saubermachen.

      Inzwischen sind die Reste der alten Minen gesäubert, zugeschüttet oder auf andere Art beseitigt worden. Allerdings sind nicht alle Löcher und Tunnel befestigt, 2006 kollabieren zwei historische Gebäude in Galena, unter denen sich noch alte Stollen befanden. Bis heute arbeitet die Stadt an der Stabilisierung alter Bauten.















      Die Geschichte der Stadt ist im örtlichen Galena Mining and Historical Museum sehr schön dokumentiert. Liegt gleich an der Main Street rechts.







      Man sieht, in Galena war richtig was los. Heute ist das Gegenteil der Fall. Trotzdem muss man hier anhalten, wenn man auf der Route 66 unterwegs ist. Denn da gibt es Cars on the Route, eine wunderschön restaurierte, ehemalige Kan-O-Tex Tankstelle.












      Eigentlich heißt die neu gestaltete Tanke Four Women on the Road. Betty Courtney, Renee Charles, Judy Courtney und Melba Riggs erwerben das Gebäude vor einigen Jahren und machen es zu einer Tourist Attraction an der 66. Coffee und Gift Shop inklusive. Bei unserem Besuch ist von den vieren nur noch Melba übrig und das Ganze ist in "Cars on the Route" umbenannt worden und das nicht ganz ohne Hintergrund:

      Kennt Ihr Cars? Ja klar, John Lasseter‘s Disney-Pixar Animationsfilm aus dem Jahr 2006. Die Geschichte von Lightning McQueen, Sally Carrera und Tow Mater (Hook) war ein großer Erfolg in den Kinos weltweit… und hat was zu tun mit der Route 66. Denn Lightning McQueen‘s Weg zum großen Rennen nach Los Angeles führt über die Route 66. Und es ist kein Zufall, dass fast alle Charaktere und Locations des Films lebende Gegenstücke entlang der Mother Road haben. Der Streifen erhielt den Golden Globe für den besten Animationsfilm, einen Grammy für den Song Our Town und war für zwei Oscars nominiert, hat aber leider keinen bekommen.

      Der Film hat viel beigetragen zum Revival der Route 66. Entlang der gesamten Strecke findet man immer wieder Autos mit Augen hinter den Windschutzscheiben. Ob in Seligman, Tucumcari oder Galena – watch out for cars with eyes. Der Original Tow Mater, also der Abschleppwagen, steht hier in Galena gleich neben der Tankstelle - man kann sich reinsetzen! Was wir natürlich gleich ausprobiert haben.









      Melba ist ein echtes Original der Route 66. Sie erzählt jedem, der den Laden betritt alles, was er/sie hören möchte oder auch nicht hören möchte. Ihr Wortschwall ist nicht zu stoppen, die Niagara Fälle sind nichts dagegen. Aber sie tut es sicht-und hörbar gerne, die Leute lieben sie dafür. Einem ungeübten Ohr entgeht allerdings so mancher Gag oder auch mehr, denn wir Europäer sind nicht so gut in Kansas-Platt, schon gar nicht in diesem Tempo. Aber schön ist es bei Cars on the Route. Kürzlich sei Melba übrigens in Pension gegangen, heißt es. Ob das stimmt? Wahrscheinlich. Aber ob sie‘s durchhält? Schwer vorstellbar. Also, macht einen Stopp bei Cars on the Route und schaut nach, ob sie da ist. Wenn nicht ... schade. Ein paar Souvenirs, ein Burger und ein Kaffee mögen Euch trösten.







      So eine lange Geschichte über dieses Kaff in Kansas ... deshalb hier die nächste Pause, bevor wir Sue besuchen... in Baxter Springs, ein paar Meilen die Straße runter.

      The post was edited 3 times, last by Ellen & Udo ().

    • Ellen & Udo wrote:

      Und dann kann man Galena gar nicht vermeiden. Sollte man auch nicht. Muss man gesehen haben, dieses kleine Nest in der recht tristen Umgebung des südöstlichen Kansas. Dabei gibt‘s gar nicht viel zu sehen, nichts Besonderes zumindest.
      Erst dachte ich: was für ein Nest,

      aber dann habe ich weitergelesen und ...........

      Ellen & Udo wrote:

      Empire‘s Stadtrat beschließt, einen 1 1/2 Meilen langen Wall an der „Südfront“ zu errichten, um den Verkehr zwischen den beiden Orten zu unterbrechen oder wenigstens zu erschweren. Unter Polizeischutz wird das Vorhaben ausgeführt. Eine kleine Lücke muss noch gefüllt werden, als Galena zum Gegenangriff schreitet und mit 50 seiner Bürger den Wall angreift und zum großen Teil wieder nieder reißt
      .......... dachte, ich bin wieder in Berlin und der dortigen Mauer :ohje: ,

      in dem Kaff war ja ganz schön was los :EEK:

      Ellen & Udo wrote:

      2006 kollabieren zwei historische Gebäude in Galena, unter denen sich noch alte Stollen befanden. Bis heute arbeitet die Stadt an der „Stabilisierung“ alter Bauten.
      scheinbar gibt es doch noch Menschen dort :gg: ;)

      Ellen & Udo wrote:

      Denn da gibt es „Cars on the Route“, eine wunderschön restaurierte, ehemalige Kan-O-Tex Tankstelle.
      Sehr hübsch :!!

      Ellen & Udo wrote:

      Melba ist ein echtes Original der Route 66.
      Ein Mensch,

      ich war schon versucht zu fragen, ob ihr außer alten Gemäuern auch noch Zweibeiner gesehen habt :MG: :MG: ;)

      Herrlich diese alte Geschichte :!! :!!
      liebe Grüße

      Ina

    • Oh schön =). Ich glaub die hübsche Tankstelle gab es 2007 so noch nicht. Das Galena Mining and Historical Museum haben wir damals besucht, es handelt sich um das alte Depot der Missouri, Kansas & Texas Railroad (oder auch Katy genannt) welches paar Blöcke von den Bahngleisen an die alte Route 66 versetzt wurde.







      Viele Grüße

      Lutz
    • Hallo Ellen und Udo,

      ich oute mich mal als stille Mitleserin :schaem: , aber nun muss ich doch mal los werden wie klasse ich eure Berichterstattung, mit den vielen Details, Beschreibungen und unglaublich schönen Fotos, finde :clab: :clab: :clab: .

      Vielen Dank fürs Teilen - ich lese weiter fleißig mit ;;NiCKi;: :wink4: ....
      Herzliche Grüße Ulli
    • Ulli wrote:

      Hallo Ellen und Udo,

      ich oute mich mal als stille Mitleserin :schaem: , aber nun muss ich doch mal los werden wie klasse ich eure Berichterstattung, mit den vielen Details, Beschreibungen und unglaublich schönen Fotos, finde :clab: :clab: :clab: .

      Vielen Dank fürs Teilen - ich lese weiter fleißig mit ;;NiCKi;: :wink4: ....

      Hallo Ulli

      vielen Dank! Das freut uns natürlich sehr. Ist auch für uns schön, feedback zu bekommen. :clab: Wir versuchen, ein bisschen was an Hintergrund Infos mit reinzubringen. Das macht es irgendwie ja auch interessanter. Die 66 ist voller Geschichten. Schön, dass Du weiter dabei bist. Es geht auch gleich weiter... :)
    • Hallo,
      ich bin auch immer wieder mal Reinschauer und Mitleser. Solche Orte wie Galena finde ich einfach toll, auch wenn es die Bewohner vielleicht nicht mehr so sehen.

      Einen Großteil der Route 66 kenne ich ja von vielen Reisen, wo ich immer (nur) ein Teilstück gefahren bin, aber Kansas fehlt mir und auch sonst Einiges im Mittleren Westen.

      Schöne Bilder habt Ihr, die auch immer wieder gut die Atmosphäre rüber bringen. :!! Bin auch gespannt, wie es weitergeht, und wann Ihr wieder in Regionen kommt, wo ich mich auch auskenne. :clab:
      Gruß aus München

      Rainer

    • raigro wrote:

      Einen Großteil der Route 66 kenne ich ja von vielen Reisen, wo ich immer (nur) ein Teilstück gefahren bin, aber Kansas fehlt mir und auch sonst Einiges im Mittleren Westen.

      Wir waren zunächst auch immer nur in der westlichen Hälfte der Route unterwegs. Letztes Jahr im Mai sind wir dann schließlich den Ostteil gefahren. Anders ist es natürlich, aber auch spannend. Vor allem die Menschen und die Geschichten reizen uns.

      raigro wrote:

      Schöne Bilder habt Ihr, die auch immer wieder gut die Atmosphäre rüber bringen. :!! Bin auch gespannt, wie es weitergeht, und wann Ihr wieder in Regionen kommt, wo ich mich auch auskenne. :clab:

      Vielen Dank! :) Freuen uns auch auf die weitere Reise gen Westen!
    • Riverton, Baxter Springs


      Riverton, Baxter Springs - Outlaws And Angels


      Die 66 verlässt Galena nach Westen Richtung Riverton. Hier befindet sich ein recht bekannter General Store, der eigentlich aussieht, wie alle General Stores, na ja nicht ganz. Er ist die größte Attraktion in Riverton. Gebaut im Jahre 1925, war der Eisler Brothers Store - so heißt der Laden - einst eine Standard Tankstelle. 1973 kaufen die Eislers das Geschäft und machen einen Market and Deli daraus. Man kann dort mal anhalten, das Gebäude ist sehr gut in Schuss und ein Old-Fashioned Deli Sandwich gibt es natürlich auch. Wir sind, ehrlich gesagt, vorbei gefahren und deshalb haben wir auch kein Foto. Man muss sich ja auch noch was für die nächste Tour aufsparen.

      Am Ortsende, beim Kreisverkehr nicht auf die 400/Alt69, sondern geradeaus weiter fahren. Die 66 heißt hier Beasley Road. Sie macht gleich einen weiten Bogen nach links und von hier sieht man auf einem kleinen Stück Old Parallel-66 auf der rechten Seite eine kleine, weiße Brücke, die über den Brush Creek. Die Rainbow Bridge aus dem Jahr 1923 ist eine von drei verbliebenen Marsh Arch Brücken in Kansas. Den Namen hat sie von ihrem Architekten. Man kann drüber fahren. Ein hübsches Fotomotiv ist die Brücke noch dazu. Ein schon etwas verwittertes Holzschild verkündet, dass die Brücke zwischen 1925 und 1968 in constant use from Chicago to LA gewesen ist.






















      Weiter geht‘s nach Baxter Springs. Wir biegen nach Süden ab, auf die South East 50, die in die Willow Avenue übergeht. An der Kreuzung mit der 2nd geht es nach links bis zur Military Avenue/US69. Dort nach rechts abbiegen und man befindet sich auf der Hauptstraße durch Baxter Springs. Dort, an der Ecke Military & 10th Street, erwartet uns die nächste restaurierte Tankstelle. Diesmal ist es wieder eine Philipps 66 aus den 1930er Jahren. Natürlich gibt es auch hier einen Route 66 Gift Shop.





















      Und auch Baxter Springs hat so seine Geschichte. Als One of the wildest Cow Towns in the West wird das im Jahre 1865 gegründete Städtchen bezeichnet. Schon vor der Stadtgründung zu Bürgerkriegszeiten ist einiges los in diesem Gebiet, das Baxter Springs Massacre im Oktober 1863 ist wohl der Höhepunkt der vielen Guerilla Kämpfe jener Zeit. Die fast 100 Opfer liegen auf dem Baxter Springs Cemetery im Westen der Stadt begraben.

      Nach der Stadtgründung entwickelt sich Baxter Springs sehr schnell zu einem Zentrum für den Viehhandel und müde Cowboys, die auf ihren staubigen Wegen hier gerne eine Erholungspause einlegen. Erholungspause? Na ja, wie man‘s nimmt. In den Saloons der Stadt fließt der Whisky reichlich, Zocken kann man auch, Bordelle sowieso. Jedes dritte Business in der Stadt ist ein Saloon oder eine Spielhölle. Die Ruhepausen gipfeln in jeder Menge Streit und Schießerei, den einen oder anderen knüpfen sie auch mal gern am nächsten Baum auf. Recht und Gesetz sind so gut wie nicht vorhanden.

      1870 kommt die Eisenbahn, diesmal die Missouri, Kansas & Texas Railway. Inzwischen ist die Bevölkerung auf 6000 angewachsen. Allerdings schwanken diese Zahlen sehr, mal sind auch nur 800 Menschen in der Stadt. Angeblich sind bei einem Banküberfall im April 1876 auch die berühmten Revolverhelden Jesse und Frank James beteiligt, was aber von vielen Historikern bezweifelt wird. Der Banküberfall ist aber belegt und das betroffene ehemalige Gebäude der Crowell Bank beherbergt heute das mittlerweile geschlossene Cafe on the Route. Military Ecke 11th Street.

      1926 kommt die Route 66 und damit die übliche, schon bekannte Entwicklung. Und wenn schon nicht Jesse James, dann doch wenigstens Bonnie and Clyde! Die zwei Halunken besuchen das Städtchen in den 1930ern gleich zweimal innerhalb nur einer Woche. Und jedes Mal bitten sie den Besitzer des Baxter Springs General Store zur Kasse. Lassen ihn aber am Leben, das ist doch schon mal was. Es gibt ein paar Museen in der Stadt, so wie historische Führungen, falls jemand an der Historie von Baxter Springs interessiert sein sollte.











      Für den eiligeren Route 66 Touristen empfiehlt sich aber trotzdem ein Stopp in Baxter Springs und zwar bei Angels on the Route - 1143 Military Avenue. Dort erwartet Euch Sue und ihr Frozen Custard, eine Art Eiscreme, die beste entlang der ganzen Route 66, wie Sue uns stolz verkündet. Wir können bestätigen, die Eiscreme ist wirklich ausgezeichnet!








      Das kleine Café an der Military Avenue, gehört Sue Gast, die bis vor kurzem ihre Gäste persönlich bedient hat. Inzwischen haben Alan and Cheri McCamey das Management übernommen, was aber dem Charme des kleinen Diners keinen Abbruch tut. Hier gibt es alles, was das Herz bzw. der hungrige Magen begehrt.

      Over a million travelers on Route 66. We have a lot from the United States, but we have a lot from Europe. We named it Angels on the Route because I believe in guardian angels and I have a little pocket angel buried out in the cement right when you walk through the doorway. So everybody passes their angel and hopes for safe travels on Route 66," said Sue Gast, Angels on the Route owner. Wer also auf der Route 66 unterwegs ist, sollte in Baxter Springs, Kansas, anhalten, durch die Straßen des Städtchens flanieren und natürlich Sue‘s Frozen Custard probieren.






      Tja, und das war‘s schon mit Kansas und der Route 66. Wir haben die Grenze zu Oklahoma erreicht. Der Staat mit den, nach New Mexico, meisten original Route 66 Meilen. Über 430 an der Zahl.



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    • Ellen & Udo wrote:

      Und auch Baxter Springs hat so seine Geschichte.
      ziemlich rauhe Sache :gg:

      Ellen & Udo wrote:

      1870 kommt die Eisenbahn, diesmal die „Missouri, Kansas & Texas Railway“. Inzwischen ist die Bevölkerung auf 6000 angewachsen
      kaum zu glauben, bei der "Aufknüpfrate" ;haha_

      Ellen & Udo wrote:

      dann doch wenigstens Bonnie and Clyde! Die zwei Halunken „besuchen“ das Städtchen in den 1930ern gleich zweimal innerhalb nur einer Woche
      Der Ort hat echt was zu bieten :EEK:
      liebe Grüße

      Ina

    • Mich würde ja mal interessieren, ob die Route 66 Zeichen auf dem Straßenasphalt original sind, oder ob sie erst unter touristischen Aspekten hingemalt wurden.
      Im Westen steht ja "Historic Route 66" auf der Straße, da ist die Sache klar. Aber was ist z.B. mit den Zeichen in Kansas. Könnt Ihr dazu was sagen?
      Gruß aus München

      Rainer

    • Ich kenne im Westen nur die normalen Route 66 Zeichen auf der Straße. Große und Kleine. Auf dem total zerrissenen alten Asphalt die Kleinen, welche ja auch zwischendurch erneuert wurden.
      „ Je weiter sich die Gesellschaft von der Wahrheit entfernt desto mehr hasst sie die, die die Wahrheit aussprechen“
    • raigro wrote:

      Mich würde ja mal interessieren, ob die Route 66 Zeichen auf dem Straßenasphalt original sind, oder ob sie erst unter touristischen Aspekten hingemalt wurden.
      Im Westen steht ja "Historic Route 66" auf der Straße, da ist die Sache klar. Aber was ist z.B. mit den Zeichen in Kansas. Könnt Ihr dazu was sagen?

      Sehr gute Frage, Rainer. Und schwer zu beantworten. Einigen "shields" sieht man an, dass sie schon recht alt sind, z.B. das an der Grenze Missouri/Kansas. Einige andere, wie z.B die in Amboy oder auf dem Kingman-Seligman Abschnitt sind sicher neueren Datums und werde auch regelmäßig "renoviert". Meist machen das die Route 66 Associations der jeweiligen Staaten. Und das erfüllt natürlich touristische Zwecke. Wie weit die "alten" Zeichen zurück gehen, wo und wann sie zum ersten Mal auftauchen, konnten wir noch nicht heraus finden, aber wir werden unseren Freund Nick Gerlich (Bild unten) fragen, der uns viele "abandoned sections" der 66 gezeigt hat. (Die Geschichten dazu findet man auf unserem Block, Adresse unten). Wenn es einer weiß, dann er. Wir kommen drauf zurück.

      Haiko wrote:

      Ich kenne im Westen nur die normalen Route 66 Zeichen auf der Straße. Große und Kleine. Auf dem total zerrissenen alten Asphalt die Kleinen, welche ja auch zwischendurch erneuert wurden.

      Das mit den "kleinen" 66 Zeichen hat eine Geschichte. Die wurden nämlich alle "privat" auf die Straße gepinselt. "Roamin Rich" ist dafür "verantwortlich". Ein echter 66 Enthusiast, der ständig auf und neben der 66 unterwegs ist. Und gerade auf den "abgelegenen" aber noch halbwegs aspaltierten Teilen sein 66 shield aufmalt. Als Kennzeichnung für jene, die nicht recht glauben, dass sie auf der ECHTEN 66 stehen oder fahren. Hier seine website: http://hookedonroute66.com/[/align]

      Ein Beispiel dafür:



      Wo das ist? Davon später, wenn wir dort angelangt sind. :MG:

      The post was edited 1 time, last by Ellen & Udo ().

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