Netley Abbey, Hampshire

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    • Netley Abbey, Hampshire



      Netley Abbey ist die Ruine einer ehemalige Zisterzienserabtei und späteres Herrenhaus, die 1239 wurde vom Bischof von Winchester gegründet wurde. Heute verwaltet von English Heritage.



      Webseite English Heritage
      GPS: 50.87852, -1.35721
      Navi: SO31 5FB


      Wenn man hier auf dem Parkplatz steht und die Ruine vor sich hat, merkt man gar nicht mehr, dass man sich in Mitten eines Wohngebiets befindet. Wie man auf dem folgen Bild sehen wird, ist die Abbey dicht mit Bäumen "eingezäunt" die es zum einem idyllisch machen und zum anderen als Lärmschutzwall fungieren. Man hört nix vom Straßenlärm. ;,cOOlMan;:



      Das Kloster ist eine Zisterzienserabtei gewesen die zusammen mit dem Kloster La Clarté-Dieu in Frankreich 1239 auf Veranlassung des 1238 verstorbenen Bischofs von Winchester, Peter des Roches, gegründet wurde, als sein persönliches Denkmal. Ab 1236 begann er das umliegende Land für die Mitgift/Stiftung des Klosters zu kaufen. Schaffte er allerdings nicht, er starb zu früh. Somit hatte das "Kloster" schon eine Finanzkrise bevor es richtig loslegen konnte. Es ist anzunehmen, dass es zu diesem Zeitpunkt so ähnlich bescheiden aussah, wie Boxgrove Priory.

      Das änderte sich Mitte der 1240er als Heinrich III. Schirmherr des Klosters wurde und es so zu einem königlichen Kloster wurde. Wohlhabend wurde es dadurch dennoch nicht. Nicht weil man in Saus und Braus lebte, die Ausgaben für die Armen und Bedürftigen überstiegen immer die Einnahmen. :nw:
      Daran änderte sich auch nichts auf Dauer, als John of Mere um 1328 Teile des Landes verkaufte, 10 Jahre später war man genauso pleite wie zuvor, man lebte in vornehmer Armut ;) . Netley Abbey war eine Institution in der Gegend, nicht berühmt durch Gelehrsamkeit und Reichtum, sondern durch Freigiebigkeit Reisenden und Seeleuten gegenüber und ihrer inbrünstigen Gläubigkeit. Überlieferte Dokumente berichten von einem friedlichen und skandalfreien Leben dort. Das ist schon was, damals, wie heute.

      Die Frucht der königlichen Schirmherrschaft gipfelte in der Errichtung der großen 72 Meter langen Klosterkirche. Das ist noch heute nicht klein, selbst als Ruine, und für die damalige Zeit schon gigantisch zu nennen. Das ist ja quasi so, als wenn in Hintertupfingen ein Dom gebaut wird.

      Es ist ja nicht so, dass man einfach so mal auf die Schnelle ein Kloster errichten kann. Das dauert schon seine Zeit, zumal man im Winter ja nix bauen kann. Wann genau man mit dem Bau begann ist nicht überliefert, aber das 1251 reichlich Holz und Blei für das Kirchendach vom König geliefert wurde. Auch das Ende ist offen, irgendwann zwischen 1290-1320 :gg:

      Der Grundriss der Kirche ist ein Kreuz, und gebaut wurde von Ost nach West, also erst den Chorraum, dann die Querschiffe, den Querbalken des Kreuzes, dann das Hauptschiff. So konnten die Mönche sie schon recht bald nutzen.

      Im Gegensatz zu den Benediktinern, die den Chorraum für die Gemeinde und Besuchern zugänglich machen, reservieren die Zisterzienser die Kirche einzig für die königliche Kommunion. Der Pöbel kann nur eine kleine Kapelle für die Messe am Haupteingang nutzen. Im Laufe der Zeit wurde diese Regelung aufgeweicht um Pilgern den Besuch von heiligen Schreinen zu ermöglichen, sowie Gräber für wohlhabende Spender in der Kirche. Das bringt Geld. ;) Nicht nur hier, generell bei den Zisterziensern.

      Einst war das Kirchenschiff hell verputzt und reich dekoriert durch Malereien, der Boden bunt gefliest, ein Stück ist davon noch erhalten. An den Wänden hingen Wappentiere und Familienwappen von wohlhabenden Familien, das bringt auch Geld. ;) Und natürlich hatte man Glasfenster.

      Leser der "Säulen der Erde" können noch heute den Wassergraben in den Resten unter der Küche finden, noch immer gespeist vom nahen Bach. In dem Zusammenhang nicht uninteressant, das Schatzhaus war am Ende des Schlafsraums der Mönche, wurde somit von den schnarchenden Mönchen während der Nacht bewacht. :gg:

      Das skandalfreie Leben bewahrte das Kloster dennoch nicht vor seiner Auflösung. Da das Jahreseinkommen bei £100 lag, lag es unter der Grenze von £160 und somit war es unter den ersten Klöstern, die Heinrich VIII 1536 schließen lies um seine Staatsfinanzen zu sanieren.

      Man übergab an die königliche Kommissare Schätze im Wert von £43, Ornamente im Wert von £39, Lebensmittel und Tiere im Wert von £103, und das bei Schulden von £42. Abt Thomas und seine 6 Brüder gingen nach Beaulieu Abbey, ihrem Mutterhaus. Dort wurde Thomas noch für 2 Jahre Abt, bevor er auch Beaulieu Abbey an den König übergeben musste. Seine Brüder erhielten fortan königliche Rente, Thomas wurde Kassenwart Schatzmeister der Salisbury Cathedral.

      Die Abbey und ihr Besitz ging an den Lord Treasurer William Paulet, später Marquess of Winchester, gegen bares natürlich. Der baute das Kloster zu einem Herrenhaus um, wie man auf dem folgenden Bild sehen kann.


      Das Kirchenschiff wurde die Große Halle mit Küche, die Querschiffe Apartments für ihn selbst, der Chorraum wurde zur Hauskapelle, das Dormitorium zur Langen Gallery und aus dem Latrinenblock wurde verschiedene große Zimmer. Der Südflügel und das Refektorium, sowie der Kreuzgang wurden abgerissen um Platz für ein Torhaus zu schaffen, wie es sich für feudalherrschaftliches Anwesen der Tudorzeit gehört. Und dann noch Drumherum der obligatorische Garten, fertig.

      Um 1700 gelangte die Abbey unter die Fuchtel von Sir Berkeley. Der beschloß den alten, unmodernen Kasten abzureisen und als Baumaterial zu verkaufen. Der Abbruch endete, als der Baumeister Walter Taylor aus Southampton von herhabfallenden Ornamenten erschlagen wurde. Die Abbey wurde aufgegeben und wurde zur romantischen Ruine , mit Efeuüberwachsenen Wänden und teilweise eingestürzten Dächern, von Bäumen überwuchert. Im 19. Jhd. war das schwer IN und die Abbey wurde zur Touristenattraktion. Das führte dazu, dass Schritte zu ihrem Erhalt unternommen wurden. Archäologische Ausgrabungen folgten 1860 in deren Folge die Tudoreinbauten wieder entfernt wurden. Ein paar Ziegel sieht man dennoch noch heute.

      Das Torhaus,




      und die Zimmerfluchten,


      der innere Hof mit der Kirchenruine und rechts die drei Bögen



      waren der Eingang zum Kapitelhaus. Dann die Kirche von Ost




      nach West.






      Das Haus des Abts mit Privatkapelle und Kamin im Erdgeschoß und


      ein paar Impressionen.





      Zuletzt die gesamte Ostansicht.



      ein kurzer Blick in die Latrinen,







      dann gehen wir noch durch das ehemalige Dormitorium zur Westseite.







      Während unseres Aufenthalts waren wir meistens allein, nur Mutter und Sohn störten mal kurz unsere innere Einkehr.
      Der Eintritt ist übrigens frei.


      Gruß
      Ulrich

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