Wanderung auf den Pico do Fogo, Kapverdische Inseln

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    • Wanderung auf den Pico do Fogo, Kapverdische Inseln

      Die Wanderung auf den Fogo, mit 2829 m der höchste Berg der Kapverden, gehört zu den spektakulärsten Wanderungen auf den Kapverdischen Inseln. Beim Fogo handelt es ich um einen noch aktiven „Bilderbuch“ Vulkan, der das letzte Mal 1995 ausbrach. Unsere Wanderung fand im April 2004 mit einer Gruppe von 16 Teilnehmern statt und war eine unter vielen, die wir auf den verschieden Inseln der Kapverden unternommen haben.


      Noch vor Sonnenaufgang fuhren wir mit einem Pickup von unserem Hotel zum Ausgangspunkt unseres Aufstiegs im Bergdorf Pai Antonio in 400 m Höhe. Schon die Fahrt hinten auf dem Pick-Up durch die verschlafenen Dörfer der Insel war ein kleines Erlebnis. In Pai Antonio angekommen, richteten wir unsere Wanderstöcke und los ging es bei bewölktem Himmel aber angenehmen Temperaturen, stetig bergauf durch Gemüsegärten und Kaffeeplantagen unserem ersten Ziel, der großen Caldera des Fogos in 1704 m Höhe, entgegen. Je höher wir kamen desto nebliger wurde es, und Wolkenfetzen wurden durch den Passatwind über den Berg getrieben, wir befanden uns mitten in der Passatwolke.


      Je höher wir kamen, desto heller wurde es und plötzlich brach die Sonne durch, wir hatten es endlich über die Passatwolke geschafft und es eröffneten sich phantastische Ausblicke auf die Inselwelt der Kapverden.


      Nach ca. 5 Stunden, mit einigen Trinkpausen erreichten wird den Rand der Caldera und erst jetzt konnten wir den ersten Blick auf unser Ziel, den Vulkankegel des Fogos werfen. Bei seinem Anblick wurden doch einige etwas ruhiger. Da sollen wir rauf? Wo ist der Weg?


      Nach einem etwas mühsamen Abstieg und einer nicht Wanderung durch die Caldera erreicht wir gegen 15 Uhr das Haus unseres einheimischen Führers Fernandos, wo seine Frau mit einem einfachen aber köstlichen Imbiss für unsere Strapazen belohnte.



      Nach der Stärkung bei Fernando mussten wir leider noch eine knappe Stunde unsere doch nun sehr müden Füße bewegen, um endlich unser Quartier für die Nacht in Portela zu erreichen. Ein einfaches, aus Feldsteinen gebautes ehemaliges Kloster mit einem hübschen Innenhof. Als Zimmer dienten die Zellen der Mönche, spartanisch eingerichtet, aber zweckmäßig und in dieser Einöde aus ein paar Kakteen und endlosen Aschefeldern die richtige Unterkunft. Wasser zum Duschen würde durch die Sonne bereitet, der letzte die Gruppe mussten deshalb kalt duschen, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat.


      Der Besitzer des Hotels, ein gebürtiger Franzose, zauberte uns ein tolles Abendessen, untermalt durch Musik mit Violinen und Flöte? durch drei Einheimische Kreolen. Nach dem Abendessen verschwanden die Gruppenmitglieder doch alle recht schnell, dann morgen stand ja der letzte Anstieg auf den Gipfel an und da machte sich wohl so jeder seine eigenen Gedanken bei dem Anblick des Fogos in der untergehenden Sonne. Ich ging nach dem Essen noch einmal aus dem Innhof des Hotels ein Stück in die Umgebung und war erschlagen von dem Sternenhimmel, der sich über mir wölbte. So etwas hatte ich bis jetzt noch nicht gesehen, er war übersäht mit Sternen. Kein Wunder, nur weit weg von aller Zivilisation mitten im Atlantik und dann noch in 1700 m Höhe, wo kein Industriestaub und sonstiger Smog stört, in absoluter Dunkelheit, hat man so ein Erlebnis.

      Am nächsten Morgen nach dem Frühstück wurde der letzte Aufstieg in Angriff genommen. Durch weite schwarze Aschefelder ging es langsam dem Fuße des Fogos entgegen.


      Auf den Weg dahin zeigte uns Fernando schon einmal mit seinem Stock so ungefähr die Aufstiegslinie, wir konnten nicht glauben, dass es dort einen Weg durch die Asche nach oben geben sollte.


      Bei ca. 1700 m begann dann der Aufstieg zum Gipfel in 2829 m Höhe. Ohne Führer sollte man dieses bei ersten Mal nicht unternehmen. Uns kam nach ca. 1 Stunde ein völlig entnervter junger Holländer über die Aschefelder entgegen, der sich völlig verstiegen hatte und nicht mehr wusste, wie hoch bzw. wieder zurück nach unten kommen sollte. Fernando hat ihm dann den Weg nach unten erklärt.

      Je höher wir kamen, desto phantastischer wurden die Ausblicke auf das in der Caldera liegend Dorf. Allerdings nach ungefähr der Hälfte des Aufstiegs gab die jüngste aller Teilnehmer, Margret aus Nürnberg auf, Höhenangst, sie konnte keinen Blick mehr ins Tal zurück machen und hatte Angst vor dem Abstieg von ganz oben. Da war für unsere deutsche Reisbegleiterin (eine deutschsprechende Spanierin) der Aufstieg zu Ende, sie begleitete Margret zurück ins Tal. Für die anderen ging’s weiter, wir hatten ja noch Fernando.


      Wir arbeiteten uns immer weiter nach oben, wo bei man höllische auf „Steinschlag“ aufpassen musste, den die vorausgehenden immer wieder auslösten. Kurz vom Gipfel gab nun auch Margrets Freundin auf, sie war mit ihren Kräften am Ende und wollte hier auf uns beim Abstieg warten. Ja, die jüngsten Teilnehmer waren die ersten (und einzigen), die vorzeitig ausstiegen, der älteste war immerhin schon über 70zig!


      Nach ungefähr 5 Stunden war es geschafft, wir erreichten den Gipfel und konnten einen Blick in den kleinen Krater des zurzeit (zum Glück) ziemlich ruhigen Vulkans werfen. Die Aussicht vom Gipfel war atemberaubend und weit über die Insel Fogo hinnaus.



      Nach Stärkung und Sammlung neuer Kräfte kam nun das absolute Highlight der Wanderung, nämlich der Abstieg vom Fogo, Während der Aufstieg ca. 4 bis 5 Stunden dauert, ist der Abstieg in 2 Stunden erledigt. Wie das? Das geht fast wie Skifahren ohne Skier, man rutscht über die groben, schwarzen Aschefelder des Fogos nach unten. Allerdings muss man dabei die Geschwindigkeit kontrollieren, wer zu schnell ist, kommt kaum noch zum stoppen. Dabei sinkt man ca. 20 bis 30 cm in die lockere Asche ein, ein Heidenspaß! Absoluter Könner, wen wundert’s, war natürlich Fernando, der folg praktisch über den Berg, seine Füße berührten kaum den Boden und mit seinen weit ausgestreckten Armen wirkte er wie ein großer Vogel, der den Hang hinab gleitet.


      Unten angekommen, sahen wir aus wie die Kumpels nach einer achtstündigen Schicht in einer Kohlenzeche. Aber wir waren glücklich und zufrieden, dass wir dieses kleine Abenteuer gut überstanden hatten und freuten uns nur noch auf das Duschen, egal ob kalt oder warm.

      Abends wartet wieder ein einfaches aber hervorragendes Essen auf uns und bei Rotwein und Erfahrungsaustausch darüber, wie jeder die Wanderung und den Abstieg erlebt hatte, ging ein erlebnisreicher Tag zu Ende.

      Die Bilder wurden von einem Mitstreiter gemacht, da ich praktisch nur gefilmt habe und die wenigen Fotos irgendwo im Nirwana des Computers verloren gegangen sind.
      Bye Dieter

    • Klasse, Dieter :!!!
      Du hast mir mit diesem Bericht echt eine große Freude bereitet, denn als Vulkan-Freak finde ich Vulkanlandschaften und Wanderungen in selbigen immer sehr spannend.

      Die Kapverden sind ja immer noch ein eher exotisches, selten bereistes Ziel. Toll, auf diesem Wege einen Erfahrungsbericht mit eindrucksvollen Fotos zu erhalten. Ich bin eben auch ganz schön schnell auf der Asche hinuntergerutscht :gg:.

      Gruß
      Gundi
    • ich habe diesen Beitrag eigentlich mal als Test für weitere von unserer USA Reise verfasst. Wusste erst gar nicht, wo ich ablege, dann die Kapverden gehören weder zu Afrika noch zu Europa. Seit den 50ziger Jahren ein eigenständiger Staat, die Landessprache ist portugiesisch und die Einwohner werden als Kreolen bezeichnet.

      Schwindelfrei muss man nicht unbedingt sein, es gibt keine tiefen Felsspalten oder sonstige Abbrüche, einfach nur ein riesiger, wenn auch steiler Aschehaufen. Joe der Rückweg bis zum Hotel dauerte knapp 3 Stunden, der Aufstieg insgesamt zwischen 4 und 5 Stunden, wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe.
      Bye Dieter

    • Dieter, wie hast Du diese Tour organisiert?
      Hattest Du Kontaktadressen?
      War es ein Baustein eines Anbieters?
      Würde mich sehr interessieren =)
      Liebe Grüße
      Silke

      Westernlady's World

      Wer viel redet, glaubt am Ende, was er sagt. (Honoré de Balzac)
    • Hallo silke,

      bei der Reise handelte es ich um eine organisierte Wanderreise von Gomera Trekking Tours. Das ist ein kleines alternatives Reiseunternehmen aus Nürnberg, welches sich auf Trekking-Touren spezalisiert hat.
      Bye Dieter

    • Am 23.11.2014 beendete der Vulkan seinen Schlaf und brach aus, mit dramatischen Folgen für die Menschen, die in der Cha das Caldeiras leben und von Landwirtschaft und Tourismus leben. Bislang wurden ca. 60 Häuser zerstört, darunter auch die Schule und das Nationalparkzentrum. Wer sich informieren und helfen möchte:

      reisenmitsinnen.de/news-presse/aktuelle-artikel?id=1069

      Fotos von der Besteigung des Vulkans gibt es z.B. hier:

      www.hike-wilde.de

      Mit traurigen Grüßen

      Peter
      Peter Felix Schäfer: Wandern im Südwesten der USA, 2. Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2016 (canyonwandern.de)
      Reisebilder aus aller Welt: hike-wild.de
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